SCHENKENDORF. Es war ein feiger Mord. Der Killer lag mit seinem Scharfschützengewehr in einem Busch auf dem weitläufigen Gelände von Schloss Schenkendorf, 15 Kilometer südlich der Berliner Stadtgrenze. Er sollte einen Mafia-Boss umlegen. Doch er erschoss einen Undercover-Polizisten einer Kopenhagener Spezialeinheit. Das war der letzte große Auftritt des Schlosses - zu sehen am 11. Februar als Sonntagskrimi im ZDF. In der dänisch-deutschen Serie "Der Adler - Die Spur des Verbrechens" wohnte im Schloss ein alter Kriegsverbrecher. Im realen Leben ist es bekannt als Schloss Dracula - besser gesagt als Residenz von Ottomar Rodolphe Vlad Dracula Prinz Kretzulesco.
Kein Geld für Dracula
Doch damit ist es nun vorbei. Denn Graf Dracula ist mit seinem Traum gescheitert. Der 66-Jährige wollte aus dem Schlosspark einen touristischen Anziehungspunkt machen. Es gab ein Restaurant, eine Sammlung von Kutschen und Schlitten - und als Prunkstück eine marode Villa mit 46 Zimmern, die sich der berühmte Verleger Rudolf Mosse 1870 hatte bauen lassen. Doch Dracula ging das Geld aus. Inzwischen ist er umgezogen in eine kleine Wohnung im nahen Königs Wusterhausen. Am Montag kam er zu einem letzten Besuch: Er holte seine Pfauen vom Schlossgelände.
"Das Grundstück wird zwangsverwaltet und die Zwangsversteigerung steht an", sagt Nancy Mönch, Sprecherin der Berliner Volksbank. Auf die Bank ist die Grundschuld für das Gelände eingetragen. "Die Bank hat die Zwangsverwaltung einsetzen lassen, damit das Objekt gesichert wird. Es sollte gerettet werden, was zu retten ist", sagt sie. Da die Notmaßnahme keine Einkünfte erbrachte, sei die Versteigerung unumgänglich. Zuständig ist das Amtsgericht Luckenwalde. Ein Termin stehe noch nicht fest, aber das Areal werde wohl im nächsten halben Jahr meistbietend versteigert. Das Gericht lässt zuvor ein Verkehrswertgutachten erstellen. "Es soll nicht unter Wert versteigert werden", sagt Mönch.
Dracula geht davon aus, dass er leer ausgeht. "Da bleibt für mich nichts übrig", sagt er der Berliner Zeitung. "Ich habe sowieso mit dem Schloss abgeschlossen." Der gebürtige West-Berliner heißt eigentlich Otto Berbig und ist gelernter Konditor. Berühmt wurde der umtriebige Antiquitätenhändler, als er 1990 zum Adoptiv-Dracula wurde. Eine 96-jährige Prinzessin und Nachfahrin des sagenumwobenen Balkan-Grafen hatte ihn adoptiert, damit der Name nicht ausstirbt. Berbig wollte mit dem neuen Namen und dem Schloss zu Geld kommen. Er lud zu Vampirpartys, Walpurgisnächten, Open-Air-Konzerten, Mittelalterspektakeln und "Blutsauger-Partys" für das DRK. Doch es kam nicht genug Geld in die Kassen.
Dann gewann ein Konkurrent gegen ihn den Namenstreit um einen Dracula-Likör. Für Aufsehen sorgte der Graf zwar noch einmal im Jahr 2002, als er ein Fürstentum ausrief - als Protest gegen die Eingemeindung des Dorfes nach Mittenwalde. Doch mehr Touristen kamen deshalb nicht nach Schenkendorf.
Stammhalter geboren
Inzwischen hat der Mann andere Sorgen. Im Oktober wurde ihm ein gefährlicher Tumor aus dem Kopf entfernt. "Es geht mir nicht so gut", sagt er. Aber immerhin hat er dafür gesorgt, dass der gute Name der Vampir-Dynastie erhalten bleibt: Vor drei Monaten brachte seine 25-jährige Frau einen Stammhalter zur Welt "Der heißt natürlich wie ich: Ottomar Rodolphe Vlad Dracula Prinz Kretzulesco", sagt er und lacht. Einen Wunsch hat er noch für das Schloss: Der neue Besitzer soll dafür sorgen, dass es auch in Zukunft öffentlich zugänglich bleibt.
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Foto: Ein Bild aus besseren Tagen: Otto Berbig - alias Ottomar Rodolphe Vlad Dracula Prinz Kretzulesco - vor Jahren im Park von Schloss Dracula. Inzwischen wohnt er in einer kleinen Wohnung im nahen Königs Wusterhausen.