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DEMOGRAFIE

Der Kuschel-Roboter für Einsame

Bernhard Bartsch

Als die Robbe Paro vor drei Jahren im Labor des japanischen Erfinders Takanori Shibata zur Welt kam, galt sie als schlechter Scherz. Das computergesteuerte Seehundbaby soll Altenheimbewohnern die Zeit vertreiben, indem es mit den Augen blinkert, quietscht und in die Richtung schaut, aus der es angesprochen wird. Das fördere die Gemeinschaft und baue Stress ab, sagt Shibata. Und da die Zahl der Alten unweigerlich zunehme, während es immer weniger junge Pfleger gebe, müsse man zu radikalen Konsequenzen bereit sein. Diese Auffassung teilt auch das japanische Wirtschaftsministerium. Es kürte das Plüschtier mit den schwarzen Kulleraugen, das inzwischen auch in ersten deutschen Altenheimen gekuschelt wird, jetzt zu einem der Roboter des abgelaufenen Jahres.

In Japan, der am schnellsten alternden Gesellschaft der Welt, droht 2007 erstmals der demografische Ernstfall: Zwei Millionen Erwerbstätige der Babyboomer-Jahrgänge 1947 bis 1949 erreichen das Rentenalter. In den kommenden drei Jahren wird jeder Zehnte der 55 Millionen arbeitenden Japaner pensioniert. Binnen kürzester Zeit dürfte nahezu Vollbeschäftigung herrschen; schon jetzt beträgt die Arbeitslosenquote nur vier Prozent. Stellenangebote gehören in den Schaufenstern japanischer Geschäfte mittlerweile zum Dekor.

Es droht eine üble Kettenreaktion: Da vielen Jobsuchenden die nötigen Qualifikationen fehlen, fürchten die Firmen um ihre Produktion und jagen sich die Angestellten ab. Die Löhne steigen sprunghaft an. Das führt zu höheren Herstellungskosten, beschleunigter Inflation, steigenden Zinssätzen - und damit zu einer konjunkturellen Bremsung.

Dabei 2007 ist erst der Anfang. Während heute noch zwei Drittel der Japaner arbeiten, werden es im Jahr 2050 weniger als die Hälfte sein; wegen der schrumpfenden Bevölkerung werden dann 30 Millionen Japaner weniger arbeiten als heute. So beginnt das Land schon jetzt, in großem Maßstab Arbeitskräfte aus den Nachbarländern anzuwerben. Für die traditionell einwanderungsscheuen Japaner fällt damit ein gesellschaftliches Tabu. Doch wenn sie im Altenheim die Wahl zwischen einer indonesischen Pflegerin oder der Robbe Paro haben, entscheidet sich die meisten doch für den Menschen.

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Foto: Roboter-Robbe Paro, das Tamagotchi für Senioren