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Ein Toter bei Überfall auf Geldtransport

Räuber schoss mit Schreckschusspistole - die Wachleute feuerten mit scharfer Munition zurück

Sabine Deckwerth, Andreas Kopietz

Bei einem Überfall auf einen Geldtransport ist am Donnerstagabend in Berlin einer der beiden Täter erschossen worden. Sein mutmaßlicher Komplize konnte zunächst flüchten, wurde jedoch am Freitagmorgen in seiner Wohnung festgenommen. Damit ist zum zweiten Mal in diesem Jahr bei einem Raubüberfall auf einen Geldtransport ein Mensch ums Leben gekommen.

Was sich vor der Sparkasse an der Karl-Marx-Allee, in Höhe Straße der Pariser Kommune am Donnerstagabend genau zutrug, versucht die Polizei derzeit zu ermitteln. Fest steht bisher: Gegen 21.30 Uhr hielt ein Transporter der Firma Brinks auf dem Gehweg vor der Bank. Der Fahrer wartete am Steuer, zwei Wachmänner verließen das Fahrzeug, mit jeweils zwei Geldkoffern, um die Geldautomaten mit neuen Scheinen zu bestücken. "Kurz darauf kam ein Mann angerannt, der etwas schrie und sofort Schüsse abgab", sagte Manfred Schmandra, Leiter des Raubkommissariats beim Landeskriminalamt am Freitag.

Vier Schüsse

Vier Schüsse soll der 59-jährige Otto R. aus etwa zehn Meter Entfernung abgegeben haben. Insgesamt neun Mal schossen die beiden Geldboten zurück und trafen den Räuber in die Beine und ins Herz. Der Täter wankte etwa 20 Meter zurück und brach tot zusammen.

Es stellte sich heraus, dass Otto R. aus einer Schreckschusspistole geschossen hatte. Ob die zwei 35- und 45 Jahre Geldboten es mit der Notwehr vielleicht übertrieben haben - auch das ist Gegenstand des Ermittlungsverfahrens, das gegen sie eingeleitet wurde. "Allerdings war es stockduster und für niemanden zu erkennen, ob die Waffe des Täters echt war oder nicht", so Schmandra.

Offenbar hatte der getötete Räuber einen Komplizen. Ein Ehepaar, das alles mit angesehen hatte, berichtete der Polizei, dass ein unbekannter Mann an den Toten herangetreten sei, sich kurz bückte und dann "ruhigen Schrittes" in Richtung Strausberger Platz verschwand. Bei der Leiche fanden die Polizisten einen Personalausweis und Wohnungsschlüssel. Sie ermittelten, dass sie zu einer 500 Meter entfernten Wohnung in der Karl-Marx-Allee gehörten. Dort klingelten die Ermittler am Freitagvormittag und trafen auf einen Mann, auf den die Beschreibung des Ehepaares passte. Der 64-jährige Heinz-Leopold L. wurde festgenommen.

So wie Otto R. ist auch er der Polizei kein Unbekannter. Er saß wegen Betruges in Hamburger Haft und teilte dort mit Otto R. eine Zelle. 2003 sorgte er mit einem kurzen Ausbruch für Schlagzeilen. Im Frühjahr wurde er entlassen und zog nach Berlin. Seit vier Wochen wohnte auch Otto R. bei ihm.

Der letzte große Bruch des 59-Jährigen Otto R. sollte endlich klappen, nachdem er sich so oft so ungeschickt angestellt hatte: 1994 hatte R. in Niendorf versucht, einen Geldtransporter zu überfallen, doch die Sache ging schief. Die Sicherheitsleute schlossen seinen Bruder, der als Komplize mit dabei war, einfach per Zentralverriegelung im Transporter ein und fuhren mit diesem direkt zur Polizei. Otto R. hatte zwar die Beute von mehreren hunderttausend Mark und ein Fluchtauto. Weil er aber nicht Auto fahren konnte, ließ er alles stehen und floh. Im Jahr 2000 hatte er schließlich versucht, eine Bank in Hamburg-Wandsbek zu überfallen. Als er mit seinem Schreckschussrevolver einen Kunden bedrohte, zog dieser dem Gangster die Maske vom Kopf und rang ihn nieder. Der Kunde und ein Kassierer überwältigten Otto und übergaben ihn der Polizei. Dafür bekam der Pechvogel achteinhalb Jahre.

Dass Otto R. und dessen mutmaßlicher 64-jähriger Komplize etwas mit früheren Überfällen auf Geldtransporter der Firma Brinks zu tun haben könnten, dafür gibt es nach Angaben von Staatsanwalt Ralph Knispel "derzeit keine Anhaltspunkte". (mit sd.)

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Überfälle auf Geldboten

Am 11. August 2006 wurde am Hultschiner Damm in Mahlsdorf ein 40-jähriger Geldbote der Firma Brinks erschossen. Drei Täter entkamen mit vier Geldkassetten.

Am 31. Januar 2006 versuchten Unbekannte, in Adlershof einen Geldtransporter zu stoppen. Sie sollen eine Panzerfaust dabei gehabt haben. Aus unbekannten Gründen brachen die Täter den Überfall ab und flüchteten.

Am 30. August 2005 wurden drei Geldboten vor einer Sparkasse in der Rügener Straße/Ecke Brunnenstraße in Mitte angegriffen. Die Täter schossen mit einer Maschinenpistole auf sie. Dann flüchteten sie in einem BMW.

Am 31. Mai 2005 überfielen vier Männer am Savignyplatz in Charlottenburg zwei Geldboten, die gerade Automaten auffüllen wollten und entrissen ihnen Kassetten mit 125 000 Euro. Die Täter wurden im Januar gefasst.

Am 26. Juni 1996 wurde ein Geldbote vor einer Bank in der Otto-Suhr-Allee in Charlottenburg niedergeschossen und schwer verletzt. Der Täter wurde kurz darauf gefasst.

Am 14. Dezember 1994 kam es im Rathaus Charlottenburg zu einer Schießerei zwischen zwei Maskierten und zwei Geldboten, die Geld fürs Sozialamt brachten. Ein Räuber wurde verletzt, die Täter konnten trotzdem fliehen.

Am 30. September 1994 überfielen drei Räuber zwei Geldboten vor einem Supermarkt in Baumschulenweg. Bei einem Schusswechsel starben ein Passant und ein Geldbote. Die Räuber flohen mit einem Geldkoffer.

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Eine Waffe tragen dürfen Geldboten oder Mitarbeiter anderer Werttransportfirmen dann, wenn sie einen Waffenschein besitzen, im Umgang mit der Waffe ausgebildet sind und regelmäßig zum Training gehen. Die Waffe darf nur bei Notwehr eingesetzt werden.

Die Firma Brinks hat ihren Sitz in den USA, arbeitet in 50 Ländern der Welt und beschäftigt mehr als 39 000 Angestellte. In Berlin liefert sie einen Großteil des Geldes aus, dazu gehört die Bestückung von Geldautomaten.

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Karte: Gangster bei Überfall getötet. Der Tatort: Hier ereignete sich am Donnerstagabend der versuchte Raubüberfall auf die Geldtransporteure.

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Foto (3): Nach der Schießerei vor der Sparkasse in der Karl-Marx-Allee war der Tatort durch die Polizei abgesperrt.