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Warnung vor der gelben Gefahr

Ein neues Buch ruft zum Abwehrkampf gegen China auf

Stephan Kaufmann

BERLIN. Wer heute in Deutschland auf Hartz IV gesetzt wird, der sollte sich in Peking beschweren. Wer Gründe für seine Lohnkürzung sucht, der wird im indischen Bangalore fündig. Und wer seinen Job verliert, findet die Schuldigen in Schanghai. So zumindest sieht es - zugespitzt - Gabor Steingart in seinem neuen Buch. Während der Leiter des Hauptstadtbüros des Magazins Spiegel in seinem Bestseller "Deutschland - Abstieg eines Superstars" auf der hiesigen Krisenwelle ritt, bedient er mit seinem jüngsten Werk die Angst vor der globalen Konkurrenz. Der Westen befindet sich in einem "Weltkrieg um Wohlstand" mit den "Angreiferstaaten" aus Asien und ist dabei, ihn zu verlieren, so die nicht sehr neue These.

Chinas Aufstieg ist in der Tat einzigartig. In nur zwölf Jahren hat das Land seine Wirtschaftsleistung verdoppelt, und in 35 Jahren wird es die größte Wirtschaftsmacht der Welt sein. Amerika und Europa werden an den Rand gedrängt, fürchtet Steingart. Die Methoden der Angreiferstaaten seien ebenso brutal wie erfolgreich: Sie ertragen in ihrem Innersten bittere Armut, verursachen eine Umweltzerstörung in nie gekanntem Ausmaß, um ihre Kräfte in den Exportindustrien zu konzentrieren. Der Westen werde bei Löhnen und Sozialstandards unterboten, sein Wissen gezielt abgesaugt. Folge: "Das Zeitalter westlicher Dominanz geht zu Ende." Noch allerdings sei der Westen nicht verloren. Europäer und Amerikaner müssten einem falsch verstandenen Freihandelsideal abschwören und kooperieren. Steingart rät daher zur Bildung einer Transatlantischen Freihandelszone aus EU und USA, einer Art neuen Nato für den neuen "Weltkrieg" gegen Fernost. Aufgabe dieser Zone sei eine harte Handelspolitik,vor allem gegenüber China.

Steingart untermauert sein Plädoyer mit vielen Fakten, zumeist sehr anschaulich, häufig etwas grell. Dennoch vermag man ihm oft nicht zu folgen. So ist fraglich, ob China seinen Aufstieg angesichts seiner Exportabhängigkeit so fortsetzen kann, wie Steingart erwartet. Prognosen sind hier schwierig: Schon in den achtziger Jahren beschworen Auguren angesichts des japanischen Aufstiegs das "pazifische Zeitalter".

Steingarts Analyse ist zudem sehr parteiisch nach dem Motto: China/Indien ("Angreiferstaaten") böse, Europa/USA gut, obwohl auch die alten Wirtschaftsmächte ihren Aufstieg mit "chinesischen Methoden" bewerkstelligt haben: gnadenlose Ausbeutung von Mensch und Natur. Dass Europa in Welthandelsverhandlungen Opfer seines "Freihandelsideals" würde, ist völlig falsch, das zeigt bislang noch jede Welthandelsrunde, in der die EU ihre Interessen deutlich verfolgt. Hier verwechselt Steingart die Ideologie der europäischen Handelspolitik mit ihrer Realität. Und schließlich übersieht der Autor bei seinem Plädoyer für eine Kooperation des Westens, dass es "den Westen" als ökonomische Interessengemeinschaft gar nicht gibt, sondern nur konkurrierende Nationalstaaten in wechselnden Allianzen.

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Foto: Weltkrieg um Wohlstand, Piper Verlag München 2006, 399 Seiten, 19,90 Euro