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Venedig sterben sehen

Heute beginnt die 63. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica - das Filmfestival am Lido

Anke Westphal

Ihr "Parfüm" haben Tom Tykwer und Bernd Eichinger dem Filmfestival von Venedig zwar nicht zur Verfügung gestellt (siehe Berliner Zeitung vom 26./27.8.2006), aber Deutschland ist dennoch an dem Film beteiligt, der heute Abend die 63. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica eröffnen wird. Wenn auch eher im Hintergrund: Das Zustandekommen von "The Black Dahlia" von Brian De Palma wurde unter anderem von der Equity Pictures Medienfonds GmbH & Co. KG III ermöglicht.

Das ist schön, dürfte die Festivalleitung aber nicht allzu sehr beschäftigen. Denn Mostra-Chef Marco Müller steht vor einem Problem: Es ist ja nicht mehr nur so, dass die großen A-Festivals Cannes, Berlin und Venedig erbittert konkurrieren um die großen, Aufsehen erregenden Filme. Nein, auf Marco Müllers Festival fällt in diesem Jahr erstmals der Schatten eines neues Konkurrenten, der auch noch im eigenen Land ansässig ist. Noch unter dem ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi wurde die Gründung des Filmfestes Rom beschlossen, das populärer und irgendwie auch staatstragender ausgerichtet sein sollte als die Mostra von Venedig, die mit ihrem widerborstigen Kunstfilm-Programm lange ein Ärgernis für Berlusconis Kulturpolitik darstellte. Um dem ganzen Nachdruck zu verleihen, wurde das Filmfest Rom denn auch mit einem Etat ausgestattet, der um etliches höher ist als der - ohnehin gekürzte - von Venedig. Mit ordentlich Geld in der Tasche lässt es sich bekanntlich gut für sich werben.

Auch Journalisten freuen sich darauf, dass die ewige Stadt im Herbst doch sehr schön sei. Mit der Weltpremiere von Steven Shainbergs Biopic "Fur" über das Leben der US-Fotografin Diane Arbus eröffnet Nicole Kidman am 13. Oktober das erste Filmfest Rom. Wenn es sich gut einführt - ja, wer wird dann noch nach Venedig fahren, dass ja nicht einmal einen ernst zu nehmenden Filmmarkt hat? Giorgio Gosetti, der Chef des Festa del Cinema internazionale di Roma, erklärte, dass sein "Event" keine Konkurrenz zu Venedig darstelle - genau deswegen heiße es ja "Fest" und nicht "Festival". Sein Wort ins Gottes Ohr.

So ist also die Lage, wenn heute Abend Scarlett Johansson, Hilary Swank, Josh Hartnett und Aaron Eckhart vor dem Palazzo del Cinema des Lido von Venedig über den roten Teppich laufen. Sie alle spielen in De Palmas Verfilmung des Bestsellers von James Ellroy über Liebe, Wahn und Tod im Hollywood der 1940er-Jahre Hauptrollen. Die Handlung basiert auf einem der rätselhaftesten und immer noch ungelösten Kriminalfälle der USA; Opfer war die Hollywood-Komparsin Betty Ann Short.

So beginnt die 63. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica also nicht einfach mit einem Thriller, sondern mit einem Film über die Vergangenheit der Traumfabrik. Das Filmfestival Venedig findet seit 1932 jedes Jahr ab Ende August auf dem Lido in Venedig statt. Es ist das älteste noch bestehende Filmfestival der Welt - und Teil der Biennale für zeitgenössische Kunst. Über seine Zukunft wird man spätestens am 9. September mehr wissen - wenn die Preise vergeben sind.

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Das älteste Filmfestival der Welt beginnt mit einem Film über die Vergangenheit der Traumfabrik.