Mr Hucknall, eines Ihrer Markenzeichen ist Ihnen abhanden gekommen. Ihr Haar wirkt heller als früher. Haben Sie es etwa blondiert?
Nein, es wird grau! Bin gespannt, wo das hinführt. Ich bin kein echter Rotschopf mehr. Übrigens bin ich auch ein bisschen fett geworden, denn ich genieße gern hervorragende Weine. Aber niemand soll sich Sorgen machen: Ich bin fett geworden durch edlen 1982er Château Latour. Ich habe auch einen eigenen Weinberg auf Sizilien, an den Hängen des Ätna.
Trinken Sie vor den Konzerten ein Gläschen?
Nein, habe ich noch nie gemacht. Aber bevor ich auf die Bühne gehe, öffne ich eine Flasche und lasse sie atmen. Nach dem Auftritt trinke ich sie.
Sie haben ja mal mit Punk begonnen ...
Und dann kam Reggae. Später Soul. Alles nacheinander. Mein größter Albtraum ist, aufzuwachen und zu spüren: Du bist in einer Rockband. Du musst Rock spielen, nichts als Rock. Ich will aufwachen und fragen: Was machen wir heute?
Und was machen Sie Mittwoch, beim Berlin-Konzert?
Etwas völlig anderes als letztes Mal. Kein Orchester mehr. Ich weiß nicht, ob wir überhaupt ein Lied von damals spielen. Wir werden schneller, lebendiger, elektrisierender klingen. Eine Anlehnung an die frühe Simply-Red-Zeit: rockiger Soul.
Was haben Sie auf Ihrer nächsten Platte vor?
Hoffentlich kommt das Album noch in diesem Jahr heraus, das hängt vom Feinschliff ab. Nach unserer letzten Platte "Simplified", nennen wir die neue "Amplified". Wir spielen wieder mit Verstärker, werden lauter. Das passt gut zu einer Open-Air-Tour. Die Leute werden tanzen, selbst wenn es regnet. Und sie werden tanzen, wenn es heiß ist. Man kann bei diesem Konzert nur gewinnen.
Ihre Platte "Simplified" war von kubanischer Musik inspiriert. Warum Kuba?
Kuba ist wundervoll. Havanna, das sind nur Menschen, Häuser und Himmel. Ein vollkommen unkommerzieller Alltag. Keine Werbeplakate. Alle flanieren auf der Straße, weil im Fernsehen nur Castro zu sehen ist. Die Menschen sind echt und ihre Musik ist es auch.
Mr Hucknall, man sagt, nach 45 Millionen verkaufter Platten würden Ihnen die Ideen ausgehen.
Merkwürdig. In den 90ern hieß es, wir seien eine Band der 80er gewesen. Und heute? Bin ich immer noch hier. Wir verkaufen Tickets. Ich bin froh, dass über Simply Red nicht geredet wird, wie über Duran Duran. Wir sind keine 80er-Band, keine 90er-Band. Wir passen in gar keine Schublade.
Das Gespräch führte Lars Grote.
Simply Red: am 16. August, 19.30 Uhr, Museumsinsel
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Foto (2): "Du musst Rock spielen, nichts als Rock." Mick Hucknall über seinen größten Albtraum.