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LIBANON

Nobelpreisträger gegen Israel

Johannes Wetzel

Kein anderes europäisches Land bemüht sich so dringend um eine sofortige Feuerpause im Libanon wie Frankreich. Die intellektuellen Meinungsführer Frankreichs zeigen dagegen großes Verständnis für den Angriff Israels - und die deutsche Presse druckt es nach: So die Reportage von Bernard-Henri Lévy über "den Krieg aus der Sicht Israels", in der er selbstgefällig seine Begegnungen mit der "jungen und brillanten" Außenministerin oder dem Verteidigungsminister schildert, der "mit gesenktem Blick" und einem "vor kaum beherrschten Gefühlen zitternden Schnurrbart" Nachrichten über den Tod seiner Soldaten entgegennimmt. Oder Marek Halters Kommentar, der ausgerechnet Ariel Sharon zu Hilfe ruft und sein Vertrauen in Israel als "wahre Demokratie" kundtut.

Diese und andere wichtige Namen fehlen unter dem Appell zum sofortigen Waffenstillstand, den Intellektuelle gestern in der "Libération" publizierten. Angesichts des Mangels an kritischen Stimmen aus Frankreich druckte "Le Monde" kürzlich den in der Bundesrepublik ignorierten Text des Schriftstellers John Berger, des Linguisten Noam Chomsky und der beiden Literatur-Nobelpreisträger Harold Pinter und José Saramago - der Portugiese löste schon einmal eine Polemik aus, als er nach einem Palästina-Besuch erklärte, die Zustände in Ramallah erinnerten ihn an Auschwitz. Jetzt behaupten die vier Intellektuellen, der zündende Funke sei nicht die Entführung eines israelischen Soldaten gewesen, sondern die Entführung zweier palästinensischer Zivilisten aus Gaza durch Israel: ein "nur in der türkischen Presse erwähnter Vorfall".

Zu Recht jedenfalls wird beklagt, dass der Westen mit zweierlei Maß messe und hinwegsehe über das seit siebzig Jahren andauernde Leid der Palästinenser auf dem Gebiet, das ihnen auf Grund internationaler Verträge zustehe. Ohne Scheu vor der Polemik denunzieren die Verfasser "eine langfristige militärische, ökonomische und geografische Praxis, deren Ziel nichts weniger als die Liquidierung der Nation der Palästinenser ist".

Unterdessen versucht die französische Politik, das Sterben praktisch aufzuhalten: Der Außenminister kündigte am Donnerstag "ein Schiff für den Libanon" an, das am 11. August mit Hilfsgütern ins Kriegsgebiet starten soll. Das Material besorgen Unicef, UN-Flüchtlingskommissariat und das Rote Kreuz mit dem Geld des Außenministeriums und Spendenmitteln. Auch deutsche Hilfsorganisationen und Spender sind dazu eingeladen. Die Lage sei am 23. Kriegstag desaströs: über 800 Tote, eine Million Menschen auf der Flucht, die Hälfte davon Kinder. Und noch immer keine Fluchtkorridore in den Süden.