Heute Abend will die Palästinensische Gemeinde erneut gegen die Politik Israels protestieren. Von 20 bis 22 Uhr hat die Gemeinde zusammen mit arabischen Verbänden eine Mahnwache am Breitscheidplatz angemeldet, zu der nach Polizeiangaben mehrere hundert Teilnehmer erwartet werden. Auch die Unterstützer Israels sind aktiv: Eine Demonstration "Für Israel - gegen Antizionismus und Antisemitismus" geht am Sonntag vom Hackeschen Markt zum Pariser Platz. Beginn ist um 17 Uhr.
Die Auseinandersetzungen im Nahen Osten spalten linke Gruppen rund um die traditionelle Friedensbewegung. Bei einer Diskussion am Mittwochabend im Haus der Demokratie sprach die PDS-Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen "von einem Schweigen der Friedensgruppen nach 21 Tagen Krieg". Die linke Friedensbewegung stehe am "Scheideweg". Entweder, so Dagdelen, werde sie sich "weiter ducken" oder sich "befreien" und gegen Israel aufstehen. Ein Palästinenser sagte, dass die Araber von der Friedensbewegung enttäuscht seien. Michaela Reisin von der Gruppe "Jüdische Stimme" warf Israel vor, Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu begehen.
Bei der Veranstaltung ging es laut der Initiative "Achse des Friedens" um den Versuch, ein breites Bündnis "Initiative gegen Eskalation im Nahen und Mittleren Osten" zu gründen. Doch die Diskutanten taten einiges, dies zu verhindern. Die Israelis würden Krieg in jedem Falle wollen, hieß es. "Wir haben Recht, uns zur Wehr zu setzen", sagte ein Araber. Ein anderer Araber verlangte einen unabhängigen Staat Palästina "mit der Hauptstadt Jerusalem". Gesprochen wurde gar vom "Bedrohungsmythos" Israels. Ein Redner der Gruppe Neue Einheit warf Israel gar vor, sich mit den Rechten zu verbünden. Zionisten hätten mit den Nazis zusammengearbeitet. Unter Beifall wurde verlangt, mit allen Arabern gemeinsam gegen Israel zu protestieren - auch mit radikalen Organisationen wie der Hisbollah. Keiner dürfe sich von der "Antisemitismuskeule" erschlagen lassen. Attac Deutschland war die einzige Organisation, die vor solcher Polarisierung warnte. Ulrich Lindner von Attac sagte, man dürfe nicht einseitig Partei ergreifen. Es ginge schließlich um das Existenzrecht Israels. Doch als jemand verlangte, in einem gemeinsamen Aufruf zu Mahnwachen oder Demos den Stopp jeglicher finanzieller Hilfe für Israel zu fordern, fragte sich Michaela Reisin von der Jüdischen Stimme, ob sie noch auf der richtigen Veranstaltung sei.