Zum ersten Mal hat sich die schwer krebskranke Schauspielerin Jenny Gröllmann in einem Interview zu den Vorwürfen geäußert, sie sei von 1979 bis 1989 Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Staatssicherheit gewesen. "Ich finde das alles sehr bedauerlich und traurig", sagte die 59-Jährige dem Hamburger Magazin Stern. "Aber ich muss mich nicht rechtfertigen, weil ich weiß, dass das, was da ist, nicht die Wahrheit ist - mein Name ist missbraucht worden, das ist alles."
Sie sei erleichtert über das Urteil gegen ihren ehemaligen Ehemann Ulrich Mühe, der nicht mehr behaupten darf, sie sei ein Stasi-Spitzel gewesen. Das Berliner Landgericht hatte in seinem Urteil Anfang Juli argumentiert, es gebe starke Indizien für eine IM-Tätigkeit Gröllmanns. Mühe habe aber nicht ausreichend glaubhaft machen können, dass seine Behauptungen stimmten (Berliner Zeitung vom 21. Juni). Bei den Recherchen in den ohne ihr Wissen angelegten Stasi-Akten habe sie, so Gröllmann, bei einem Abgleich der angeblichen Stasi-Treffen mit ihren Theaterauftritten, die im Bühnenbuch des Maxim-Gorki-Theaters protokolliert sind, herausgefunden, dass fünf dieser Treffs nachweislich nicht stattgefunden haben könnten. "Ich bin froh darüber, dass durch das Urteil ein erster Schritt zu meiner Rehabilitierung getan wurde. Viel Zeit bleibt mir nicht mehr."
Mühe hatte sich in einem Interview auch beklagt, dass seine Ex-Frau nie mit ihm über ihre angebliche Stasi-Tätigkeit gesprochen habe. Jenny Gröllmann: "Es war einfach nicht möglich, miteinander zu sprechen, obwohl es mein Wunsch gewesen wäre." Zwischen Mühe und ihr herrsche schon lange "eine Art Eiszeit - aus ganz anderen, privaten Gründen". Die Hartnäckigkeit, mit der Mühe vor dem Start des Filmes "Das Leben der Anderen" an den Vorwürfen festhielt, kann sie sich nicht erklären: "Vielleicht hat er sehr skrupellose Medienberater. Den Weg zum Homo politicus wenigstens nehme ich ihm nicht ab."
Im Interview schildert Jenny Gröllmann auch, wie es nach den ersten Vorwürfen gegen sie 2001 zu einem Zusammentreffen mit ihrem angeblichen Führungsoffizier, dem ehemaligen Stasi-Major Helmut Menge, kam. "Der hat erklärt, dass er die Akte ohne mein Wissen und hinter meinem Rücken geführt hat", sagt sie, "auch, aus welchen Versatzstücken er Informationen zusammengestellt und mir zugeschrieben hat."
Ihre Freunde seien eine große Stütze für sie gewesen: "Sie hat es nicht in Ruhe gelassen, und sie haben angefangen zu recherchieren und die Akte genau zu analysieren", so Jenny Gröllmann weiter, "sie haben lauter Ungereimtheiten gefunden, die meine Erklärungen bestätigen." Zum Beispiel gehen Unterlagen eindeutig auf abgehörte Telefonate, abgefangene Briefe oder Gespräche zurück. Zur Akte gehören auch Berichte von IM's und Dossiers der Stasi über Gröllmann.
Den Streit um ihre angeblichen Stasi-Spitzeleien nennt die Sterbenskranke "das Schlimmste, was mir widerfahren konnte in den letzten Monaten": "Ich habe bisher durchgehalten, weil ich das zu Ende bringen muss - meinetwegen bis zum Tod. Das bin ich meinen Töchtern schuldig." (BLZ)
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Foto: Die Schauspielerin Jenny Gröllmann im Jahr 2002 bei Dreharbeiten