Noch werben an Pekings Hochhäusern gigantische Reklametafeln für Ron Howards Film "The Da Vinci Code". Doch in den chinesischen Kinos soll der Blockbuster aus Hollywood nun nicht mehr gezeigt werden - weil die Chinesen ihn zu sehr mögen. Rein "kommerzielle Erwägungen", so hieß es am vergangenen Wochenende, stecken hinter dem Aufführungsstopp: Man brauche Raum für einheimische Filme, die in den kommenden Tagen starten sollen, erklärten Filmmanager der amtlichen Agentur Xinhua. "Kein einziger Film darf den Markt einen ganzen Monat lang oder zwei Monate monopolisieren, nicht einmal in den Vereinigten Staaten", so urteilte Weng Li von der China Film Group Corporation.
Die Geschichte um eine Verschwörung des katholischen Ordens Opus Dei und des Vatikans und die Folgen einer angeblichen Ehe zwischen Jesus und Maria Magdalena war offenbar zu erfolgreich. Seit dem Kinostart am 17. Mai strömte auch das chinesische Publikum massenhaft in die Lichtspielhäuser, um den Thriller zu sehen; nach drei Wochen hatte er 104 Millionen Yuan (rund 10 Millionen Euro) eingespielt und gehörte damit zu den erfolgreichsten ausländischen Filmen, die je in China gezeigt wurden. In fast vierhundert Kinos stand "The Da Vinci Code" auf dem Programm. Das ging den Filmfunktionären zu weit. Die Absetzung des Films zeigt, wie rigoros Chinas Filmbehörden bis heute reagieren, ganz gleich, ob es um heikle Inhalte oder ums Geschäft geht. Pekings Behörden beschränken die Zahl ausländischer Produktionen ohnehin: Jährlich dürfen nicht mehr als 50 Filme aus dem Ausland importiert werden, davon 25 amerikanische. So konnte der Marktanteil des chinesischen Films in seinem Heimatland von 55 Prozent (2004) auf 60 Prozent im Jahr 2005 steigen.
Katholiken freuen sich
Natürlich hatten auch chinesische Katholiken gegen die Aufführung von "The Da Vinci Code" protestiert, weil der Film gotteslästerlich sei. Die "Patriotische Vereinigung", wie die katholische Kirche in China heißt, hatte ihre Mitglieder zum Boykott aufgerufen, obwohl sie keine offiziellen Beziehungen zum Vatikan pflegt. Erfreut reagierte jetzt der stellvertretende Leiter der Patrioten, Liu Bainian: Der Vorführstopp sei "eine gute Sache". Doch spielen hier eher nationale Interessen die Hauptrolle, gerade was mediale Inhalte anlangt. Zu den Titeln, die es nicht in die chinesischen Kinos schafften, gehörten zuletzt "Geisha" - mit chinesischen Schauspielerinnen als japanische Geishas - und "Brokeback Mountain" über die Liebe zweier schwuler Cowboys. Als Raubkopie wird "The Da Vinci Code" in Chinas DVD-Läden indes weiterhin angeboten, so wie "Geisha" und "Brokeback Mountain".
Zu all dem passt, dass nun auch "Mission Impossible 3" mit Tom Cruise nur in zensierter Fassung in die chinesischen Kinos kommen darf. Anlass für die Auflage seien als beleidigend empfundene Filmszenen, berichtete die Zeitung "South China Morning Post". Die Zensoren hätten Sequenzen moniert, in denen etwa Wäsche an Bambusstöcken aufgehängt ist und die chinesische Polizei bei einer Verfolgungsjagd nur schwer in die Gänge kommt. "MI : 3" solle nun am 20. Juli in China starten, nachdem die Filmemacher offenbar auf die Zensurwünsche eingegangen seien, so die Zeitung. - Interessant bleibt, wie sich US-Filmproduzenten und Verleihfirmen künftig mit den chinesischen Behörden einigen werden. Denn das boomende China ist nicht nur ein wichtiger Absatzmarkt für Hollywood, sondern auch ein äußerst attraktiver Standort, um Filme zu produzieren: moderne Studios, sehr gute Finanzierungs- und Koproduktionsbedingungen, billige Arbeitskräfte. Beim weltweit wichtigsten Filmmarkt des Festivals von Cannes verzeichneten China und Indien im Mai gerade die größten Zuwächse. "China war der schlafende Drache - jetzt ist er erwacht", verkündeten die Branchenblätter.