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Lehrstunde in Sachen Optimismus

Wirtschaftsminister Glos und das deutsche Wachstum

Rouven Schellenberger

BERLIN. Es gibt Tage, an denen ist Michael Glos gerne Bundeswirtschaftsminister. Der CSU-Mann war ja wider Willen ins Amt geplumpst, weil sein Parteifreund Edmund Stoiber es plötzlich mit der Angst zu tun bekam. Seither muss Glos ständig lesen, dass ihn die Medien für die schwächste Figur im Kabinett halten. Toll ist es da, wenn man sich im Glanz schöner Zahlen sonnen kann - wie am Freitag bei der Vorstellung der Wirtschaftsprognose der Regierung.

Zahlen durfte Glos da vorstellen, die seinem freudigen Gemüt entsprechen. Um 1,6 Prozent soll die Wirtschaft dieses Jahr wachsen. Von einer "robusten Konjunktur" wusste Glos zu berichten, von einem "robusten Minister" und einem "robusten Aufwärtstrend". Glos verteidigte auch die dreiprozentige Mehrwertsteuer-Erhöhung Anfang 2007, die das Wachstum wieder auf ein Prozent dämpfen soll. Für Glos, der derzeit von Washington über Moskau bis Hannover gute Stimmung ausmacht, ist der Optimismus in der Wirtschaft "mit Händen zu greifen." So euphorisch war Glos, dass er seinen Abteilungsleiter Matthias Schürgers ständig als Herrn Gross ansprach. Aber wen stört das schon, wenn die Wirtschaft brummt.

Der Bundesstimmungsminister Glos übrigens bewegt sich durchaus sicher durch die ökonomischen Fakten. Und er machte auch gleich klar, wie diese Bundesregierung der Wirtschaft zum Optimismus verhalf und auch weiter verhelfen will. Verlässlichkeit nämlich ist laut Glos die Schlüsselkomponente für einen nachhaltigen Aufschwung. Deshalb soll die Regierung den Koalitionsvertrag konsequent umsetzen - Grausamkeiten wie die Mehrwertsteuer gehören auch dazu.