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Der Vater des Inbusschlüssels

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad ist einer der reichsten Männer der Welt. Heute wird er achtzig

Holger Reischock

BERLIN. Gefeiert wird nicht. Ingvar Kamprad hat sich alle Aufmerksamkeiten zu seinem 80. Geburtstag strikt verbeten. Es ist ein Werktag, und an Werktagen wird gearbeitet, "18 bis 24 Stunden", wie immer eben. Eine Feier könnte zudem seinen Ruf beschädigen, an dem er lange und erfolgreich gearbeitet hat: Kamprad, mit einem geschätzten Vermögen von 28 Milliarden Dollar der viertreichste Mann der Welt, gilt als sparsam bis geizig, und er tut alles, um diese Legende zu nähren. Gern betont er, dass ihm seine Frau die Haare schneidet, um das Friseurgeld zu sparen, oder dass er ein Rentnerticket löst, wenn er mal irgendwo mit der Bahn anreisen muss. Er verschickt Weihnachtskarten vom vorigen Jahr, die er "aufgearbeitet" hat, sucht mit seinem klapprigen, zwölf Jahre alten Volvo geduldig nach kostenlosen Parkplätzen und wäscht Einweggeschirr nach Gebrauch eigenhändig aus, um es noch einmal verwenden zu können. "Ich bin knausrig, und darauf bin ich stolz", hat er kürzlich gesagt.

Möbel mit Namen

Doch außerdem hatte Ingvar Kamprad immer auch einen ausgeprägten Sinn fürs Geschäft. "Jedes Problem ist eine Chance" ist sein Lebensmotto, an das er sich geradezu verbissen gehalten hat. So schaffte er es, ein weltweites Imperium aus der kleinen Einmann-Firma zu machen, die er mit siebzehn im schwedischen Smaland gründete und Ikea nannte - ein Kürzel aus den Anfangsbuchstaben seines Namens, des elterlichen Bauernhofes Elmtaryd und des nahen Dorfes Agunnaryd. Möbelhäuser mit diesem Namen sind heute in 34 Ländern zu finden, 450 Millionen Besucher pilgern jährlich durch die über 230 blau-gelben Filialen auf der Suche nach Möbelstücken, die alle einen Namen haben, ein Brauch, den Kamprad einst einführte, weil er sich Artikelnummern so schlecht merken konnte.

Doch auf Möbel hatte der junge Ingvar Kamprad nicht von Anfang an gesetzt. Zunächst betrieb er einen Versandhandel für Sämereien, Kugelschreiber, Uhren, Strümpfe und ähnlichen Kleinkram, manchmal wurde anfangs auch der Milchmann zur Auslieferung eingespannt. Kamprad inserierte in Zeitungen, die Geschäfte liefen gut, und 1948, fünf Jahre nach der Firmengründung, bot Ikea erstmals auch Möbel an, gefertigt von örtlichen Schreinern und preiswert zu haben. Bald verschickte der Jung-Unternehmer nur noch Möbel, und 1953 eröffnete er in einer stillgelegten Tischlerei seine erste Ikea-Möbelausstellung. Es gab zur Begrüßung Kaffee und Rosinenbrötchen, die Vorläufer von Köttbullar und Räucherlachs, die heute in keinem der obligatorischen Ikea-Restaurants fehlen, denn, so Kamprad: "Mit einem leeren Magen kann man keine guten Geschäfte machen." Der Besuch im Möbelhaus als Familienausflug in eine Welt, wo man nett zueinander ist und jeder zu jedem Du sagt, auch das gehört zu den Geschäftsprinzipien, die der Firmengründer eingeführt hat.

Und nichts konnte dem freundlichen Image von Ikea und seinem Boss etwas anhaben. Als Kamprad wegen früherer Nazi-Sympathien in die Schlagzeilen geriet, entschuldigte er sich in einem Schreiben an Mitarbeiter und Kunden für "die größte Dummheit meines Lebens". Kinderarbeit? Kamprad verdonnerte alle Zulieferer in einem Verhaltenskodex, das zu unterbinden. Alkoholprobleme? Ja, schon, aber er habe auch "weiße Perioden", wo er nichts trinke. Vergessen, vergeben.

Immer verstand es der umtriebige Ikea-Mann auch, der Zeit und der Konkurrenz ein wenig voraus zu sein. Und natürlich zu sparen, wo es nur ging. Er ließ da produzieren, wo es am billigsten war, erst in Polen, später in Fernost. Er ließ die Ware zerlegt liefern, um Platz und Versandkosten zu sparen, dann überließ er den Kunden das Zusammenbauen und verhalf so dem Inbusschlüssel zu Ehren. Seine Möbelhäuser verlegte er an den Stadtrand, wo es billiger war zu bauen, er führte in ihnen die Selbstbedienung ein und setzte beizeiten auf die Online-Bestellung. Routine war ihm zuwider. Nichts sollte getan werden, weil es schon immer so getan wurde. "Wir machen es anders", heißt das sechste Gebot aus Kamprads "Vermächtnis eines Möbelhändlers".

Inzwischen hat sich der jetzt 80-Jährige aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen, nachdem er seine drei Söhne mehr oder weniger widerwillig in Führungspositionen untergebracht hat. Doch Ingvar Kamprad gilt nach wie vor als graue Eminenz der Firma, auch wenn er seinen Sitz längst an den Genfersee in der Schweiz verlegt hat, aus steuerlichen Gründen. Der Bürgermeister der Gemeinde weiß inzwischen: "Wenn Vereine hier eine Tombola veranstalten, brauchen sie bei ihm gar nicht erst zu fragen. Er hat noch nie etwas für uns getan."

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Unaufhaltsamer Aufstieg

Die Firma Ikea wurde von Ingvar Kamprad im Jahr 1943 gegründet - mit einem Startkapital von 300 Kronen. Heute ist daraus der weltweit größte Möbelkonzern geworden, mit über 10 000 Beschäftigten in 34 Ländern. Ikea hat rund 10 000 Artikel im Sortiment. Der Katalog hat eine Auflage von über 120 Millionen Exemplaren.

In Deutschland eröffnete Ikea 1974 seine erste Filiale in Eching bei München. Inzwischen gibt es 38 deutsche Ikea-Häuser, Deutschland ist mit 19 Prozent des Gesamtumsatzes Spitzenreiter bei Ikea. Bei der Namensgebung für seine Möbel hatte Ikea hier nicht immer ein glückliches Händchen: so hieß ein Bett ausgerechnet Gudvik.

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Foto: Ingvar Kamprad, standesgemäß drapiert auf einem "Klippan"-Sofa aus dem Hause Ikea.