Nicht umsonst liegt Thomas Bernhards zynische Komödie "Alte Meister" auf dem Galerie-Tisch zur Einsicht aus. So wie sich darin der Musikkritiker Reger mit seiner manischen Suche nach den "Fehlern" der Museumsbilder alle Liebe zur Kunst austreibt, so kritisch ist auch bei manch heutigem Künstler das Verhältnis zu den Altvorderen. Matthew Burbidge liebt zweifellos die alte Kunst - doch eignet er sich die Kunstgeschichte mit fragender Ironie an, in sarkastischer, dadaistischer, aber eben durch und durch zugeneigter Weise.
Der 35-jährige Brite hat seine Ausstellung "Alte Meister" genannt und in den Räumen der Villa Grisebach Gallery ein veritables Museum eingerichtet. Es ist ein Museum der eigenen Obsessionen, des privaten Dialogs mit historischen Bildern, mit vergangenen, aber auch zeitgenössischen Kunstphänomenen. Burbidge ist ein Bastler, und auch jetzt durchweht ein Hauch von Bricolage-Kunst der Sechziger dieses Museum auf Zeit.
Respektlos kombiniert Burbidge, was eigentlich nicht zusammengehört: Dürers Hasen mit altertümlich gemusterten Stoffen und dessen Dresdner Jünglingsporträt mit kitschigen Relieffriesen, bunt und heftig übermalt. Hier wird als Referenz an Pieter Bruegel ein Puzzle seiner Winterlandschaft zweckentfremdet und erhält mit neuem Goldhimmel eine augenzwinkernde Aura von Kostbarkeit. Da reiten Don Quijote und Sancho Panza auf einem spießigen Kupferrelief durch die Lande, umrahmt von billigen Papierspitzendeckchen. Lampenschirme, Glitter, Stoffreste, Möbelteile, Kopien von berühmten Bildern, aber auch selbstgemalte Abstraktionen, die so aussehen, als seien sie von einem russischen Avantgardisten, bis hin zu einem alten, goldbesprühten Plattenspieler, aus dem Klänge von John Cage ertönen - Burbidges Annäherungsweise an die Kunstgeschichte ist unerschöpflich. Die 130 Werke geben unendlich viel zu schauen, zu raten und wiederzuerkennen.
In Burbidges Bastelwunderland erleben die Alten Meister einen liebevollen Bildersturz und ihre Wiedergeburt in absurder Kombinatorik. Thomas Bernhard hätte seine Freude daran gehabt.
Villa Grisebach Gallery Fasanenstraße 25, bis 1. April. Di-Sa 10-18 Uhr, Tel.: 88 59 15 13.
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Foto: Burbidges Venedig- Diptychon von 2005 verbindet die Bildelemente zu einer "Italienischen Impression" des 19. Jahr- hunderts.