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Bitte lächeln, die Welt ist böse

E-HUMOR - Die Transmediale sucht den Witz in der Medienkunst. Der Club Transmediale präsentiert den Altmeister des komischen Geräuschs.

Sebastian Preuss

Man muss wirklich lachen über diesen kleinen, dreiminütigen Film. Ximena Cuevas produziert körnige, unruhige Schwarzweißbilder. Eine junge Frau sitzt auf dem Sofa; auf einmal bemerkt sie etwas, reagiert mit schreckgeweiteten Augen und expressiver Gestik, wie ein Stummfilmstar. Denn in der Abstellkammer macht sich der Staubsauger selbstständig. Er lässt seine Stecker in die Steckdose fliegen, bäumt sich auf und fährt in den Wohnraum. Begleitet von fröhlicher Lounge-Musik, flieht die Hausfrau vor dem Ungetüm, verzerrt ihr Gesicht und versteckt sich voller Hysterie.

Man lacht über sie wie man über Harold Lloyd oder Buster Keaton lacht. Es ist ein Slapstick, mit Bedacht roh gestaltet. Cuevas Video ist charakteristisch für das, was Anne-Marie Duguet zusammengetragen hat. Die Organisatoren der Transmediale haben die Pariser Professorin für Kunst und Technologin mit der Ausstellung des Medienkunst-Festivals betraut. Duguet kennt die Klischees über Computerkunst zu gut, um ihnen zu verfallen. So hat sie jede High-Tech-Orgie vermieden und auch allen elektronischen Spieltrieb. Medienkunst, wie Duguet sie begreift, hat von Beginn an die technischen Errungenschaften hinterfragt, sich über sie lustig gemacht und sie kritisch beäugt.

Als Ahnherr dieser Richtung erscheint der soeben verstorbene Nam June Paik im ersten Saal der Ausstellung. Sein "Denker - TV Rodin" führt auch 29 Jahre nach seiner Entstehung in so eindrücklicher Weise wie kaum ein zweites Werk der Spätmoderne den medialen Zirkelschluss vor, dem wir alle unterworfen sind. Eine Miniaturreplik von Rodins berühmter Bronzefigur grübelt vor einem Fernseher, sieht dort aber nichts anderes als sein eigenes Gesicht, das von einer Kamera ständig live dorthin übertragen wird. Als Paik begann, den Fernseher als skulpturales Objekt zu nutzen, ging es ihm nicht zuletzt darum, die allgegenwärtige TV-Box als falsche Glückskiste, als Bildermaschine zu entlarven, der niemand von uns entrinnen kann.

Gegenüber liegt in einer Vitrine George Macunias' "Smile Machine" von 1971. Es ist eine Art Mundspanner, der den Träger zum Lächeln zwingt. Streng genommen ist es keine Medienkunst, aber Duguet demonstriert mit dem absurden Objekt die Verbindungen von Dada zur Fluxus-Bewegung, gibt damit eine Ahnung von dem Humus der sechziger und siebziger Jahre, auf dem das zu blühen begann, was wir heute eher behelfsmäßig Medienkunst nennen.

"Smile Machines zelebrieren die Macht eines Humors, der alle Regeln sprengt", hat Duguet programmatisch an die Eingangswand der Ausstellung geschrieben. Nicht Fortschrittsglaube, sondern kritische Ironie; nicht Technikbegeisterung, sondern Groteske und Parodie - das sind in ihrer Lesart die Errungenschaften der Künstler, die sich seit den sechziger Jahren mit dem Fernsehen, der Videotechnik und all den anderen neuen Medien beschäftigen.

Alle 29 Werke der Ausstellung sind in irgendeiner Weise solche Lächelmaschinen. Das beginnt mit Christian Möllers Videowand "Cheese". Hier grinsen junge Damen um die Wette. Doch wehe, ihre Mundwinkel sinken herab oder die Backenmuskeln erlahmen; dann fällt die unbarmherzige Kontrollanzeige in den roten Bereich und die Probantinnen müssen wieder artig lächeln.

Mit Vorliebe greifen die Künstler auf, wie uns Entertainment und Medienindustrie mit ihren Bilderfluten einlullen. Etwa in Antoni Muntadas Spiegelkabinett, wo er wohlige Musik und optimistisch aufflackernde Werbeslogans in ein überdrehtes Wonderland abgleiten lässt. Der Koreaner Kim Beom hat Silbenfetzen der amerikanisierten Nachrichten-Shows seiner Heimat isoliert und zu völlig neuen Aussagen zusammengefügt. Das Künstlerduo Jodi zerhackt martialische Computerspiele zu einem Nonsens-Bilderbrei, während Maurice Benayoun in seinem "Gefühlsverkaufsautomaten" am Bildschirm emotionale Mixturen feilbietet.

Natürlich gibt es auch viel schwarzen Humor, etwa Maja Bajevics bitter-böse Bürgerkriegswitze, die sie von Bewohnern aus Sarajevo vor der Videokamera erzählen lässt, oder eine groteske Hitler-Parodie der Israelin Tamy Ben-Tor.

Unglaublich, aber offenbar wahr ist die Aktion der Gruppe Yes Men. Sie schleusten sich auf einer Bankerkonferenz ein und führten dort das zynische Modell einer akzeptablen Todesrate vor, die man als Risiko bei hohen Gewinnerwartungen in Kauf nehmen konnte. Niemand schöpfte Verdacht, manche Zuhörer waren von dem Vortrag regelrecht begeistert und ließen sich mit dem Maskottchen des "Akzeptablen Risiko-Kalkulators" fotografieren. Entlarvender haben kaum je Künstler dem verantwortungslosen Vulgärkapitalismus von heute den Spiegel vorgehalten. Solange es noch solch wahrhaft subversive Kunst gibt, kann die Idee der Avantgarde nicht ganz gestorben sein.

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Transmediale

Die Veranstaltungen der Transmediale finden bis 7. 2. in der Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, statt, in der Regel von 12-22 Uhr. Hier ist auch die Ausstellung "Smile Machines" zu sehen (Di-So 10-20 Uhr, bis 19. 3.)

Der Club Transmediale findet täglich bis 11. 2. in der Maria am Ostbahnhof statt. Eröffnung: heute Abend um 22 Uhr.

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Foto: Zum Wohlfühlen ist Antoni Muntadas Spiegelkabinett "Slogans" nur, wenn man nicht so genau hinschaut.