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SPIELBERG

Die Wahrheit über "München"

Anke Westphal

In vierzehn Tagen kommt Steven Spielbergs neuer Film in die deutschen Kinos. "Munich", so der Originaltitel, erzählt von der Vergeltungswelle, die auf die Ermordung israelischer Sportler durch palästinensische Terroristen während der Sommerolympiade 1972 in München folgte. Der Mossad ließ damals - einen nach dem anderen - von seinen Killerkommandos Männer ermorden, die als Drahtzieher der blutigen Geiselnahme galten, was zu einem öffentlich ebenso wenig erklärten wie anhaltenden Krieg zwischen Geheimdiensten, Terroristen und "freischaffenden" Auftragskillern führte. Ein heikler Stoff, mit dessen kritischer Erarbeitung sich der Über-Regisseur Spielberg unverzüglich selbst zur Zielscheibe gemacht hat in unseren Zeiten hysterischer Anti-Terror-Maßnahmen.

Obwohl die universelle Gewaltkritik in "Munich" wohl Historiker und Politiker, aber wohl kaum das breite Ereignisfilmpublikum nachhaltig empören dürfte, und obwohl auch eine schlechte Presse immer noch gute Werbung ist, kommen die Anwürfe gegen Spielberg eher wenig gelegen: Es ist ja ein Produkt zu verkaufen. Aber irgendwann wurde, dem Himmel sei Dank, die Kampagne erfunden, nicht nur für die Politik, sondern auch für Ereignisfilmzwischenfälle, zu deren Bereinigung man die Politik selbst mit ihren vielseitigen Werbeerfahrungen auch gleich nutzen kann.

Und das geht so: Filme mit Hochwichtigkeitsstufe werden erst einmal sogenannten Opinion Leadern gezeigt. Das sind all jene Menschen, die Meinungen machen, weil sie Meinungen im größten Maßstab verbreiten zu können: von Fernsehmoderatoren wie Johannes B. Kerner über Politiker und Filmindustrielle bis hin zu berühmten Schauspielern oder Celebrities, wobei die vier letzteren wiederum Gäste der Talkshows der ersten sind. Diese Opinion Leader sichten nicht nur aus Termingründen Wochen oder Monate, bevor noch irgendein Filmkritiker in die Vorführung gelangt, sondern auch um im Kampagnensinn Ereignisse zu schaffen. Und wenn ein Kritiker doch so keck sein und um Einlass zum Leader Screening bitten sollte, wird er weggeschickt - wenn denn nicht ein ihm befreundeter Leader aufspringt, um ihm mit seiner Prominenz beizustehen.

Nun mag man fragen, warum dieser ganze Zirkus überhaupt interessieren soll: Weil er etwas über die Urteilsfabriken des Phantoms demokratische Öffentlichkeit aussagt. Meinungen über "München" sind eben auch Handelsware.