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TAGESTHEMEN

Gerhard Delling - mehr als eine Vertretung

Björn Wirth

Kompetent, seriös und gänzlich unaufgeregt hat Gerhard Delling am Montagabend seinen ersten Dienst als "Tagesthemen"-Moderator verrichtet. Es war exakt 22.30 Uhr und 56 Sekunden, als der NDR-Sportschef und flapsige Widerpart von Günter Netzer die Zuschauer im schwarzen Nadelstreifenanzug und mit dem üblichen Spruch begrüßte. "Guten Abend, meine Damen und Herren, zu den 'Tagesthemen'", sagte Delling, um gleich darauf das erste Thema anzukündigen. Es ging um das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Europäischen Haftbefehl und Delling, der in dieser Woche die urlaubende Anne Will vertritt, machte seine Sache so, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Nach dem Beitrag befragte er Bundesjustizministerin Zypries sehr präzise und hakte bei unklaren Auskünften gut nach, seine Überleitungen blieben fehlerlos und kamen ohne jede Albernheit aus. Trotzdem geriet seine Moderation nie steif und lieblos, der Mann hat zweifellos Charme und weiß ihn wirksam einzusetzen. Ein souveräner Auftritt, in jeder Hinsicht.

Das werden auch die ARD-Verantwortlichen mit Genugtuung zur Kenntnis genommen haben, denn nun haben sie die Qual der Wahl, wenn Ulrich Wickert im nächsten Jahr seinen Dienst quittieren wird. Bislang galt Tom Buhrow, der ARD-Korrespondent in Washington, als aussichtsreichster Kandidat für diesen Posten, nun hat der Sender mehr als eine Alternative. Auch wenn Delling diesbezüglichen Überlegungen bislang stets entgegentrat und auf seine befristete Rolle als Urlaubsvertretung pochte. Aber kann ja sein, dass ihm das Geplauder mit Günter Netzer bei ARD-Fußballübertragungen irgendwann nicht mehr reicht und er sein Moderationstalent auch mal wieder anderweitig einsetzen will.

Jedenfalls schien Delling an diesem Montagabend sichtlich Gefallen an seinem Ferienjob gefunden zu haben, geradezu fröhlich verabschiedete er sich am Ende der Sendung vom Publikum: "Wir sind morgen wieder für Sie dran. Bis dahin, auf Wiedersehen."

Gern.

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Foto: Gerhard Delling darf gern wiederkommen. Nicht nur diese Woche.