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Ideen sind Luxus

Im Fernsehen geht seit langem der Formatklau um. Das soll sich ändern

Marcus Bäcker

Die schlechte Nachricht ist: Viel besser ist das deutsche Unterhaltungsfernsehen in den vergangenen Monaten nicht geworden. Auf allen Kanälen herrscht ein trübes Einerlei. Was einmal Erfolg hatte, wird zu Tode kopiert. Und daran beteiligen sich die Privaten genauso wie ARD und ZDF.

Die gute Nachricht: Zumindest hinter den Kulissen tut sich seit einigen Monaten etwas. "Association of German Entertainment Producers" (AGEP) heißt der lockere Zusammenschluss, zu dem sich die wichtige deutsche Unterhaltungsproduzenten erstmals an einem Tisch versammelt haben. Eines ihrer wichtigsten Ziele ist es, dem Formatklau ein Ende zu bereiten. Das hört sich gut an, denn letztlich beruht die Eintönigkeit des TV-Programms auf dem Diebstahl der Ideen anderer Leute.

Rechtswidrig ist derlei Ideenraub in Deutschland erstaunlicher Weise nicht. Laut einem Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs sind Unterhaltungsformate - anders als fiktionale Stoffe - vom Urheberrecht nicht geschützt. Ein Unterhaltungsformat, finden die Richter, sei nichts anderes als die bloße "Anleitung zur Formgestaltung gleichartiger Stoffe" und könne deshalb nicht als besonders originelle Leistung geschützt werden.

Die Preise werden gedrückt

"Die Folgen dieses Urteils kann jeder im Fernsehen sehen", sagt Christoph Fey, Rechtsanwalt und Geschäftsführer der in Köln ansässigen internationalen Vereinigung für Formatschutz FRAPA. "Wo das Recht den Schutz gegen Nachahmung versagt, ist kostenlose Selbstbedienung möglich. Warum kaufen, was man auch klauen darf?" Statt Geld für Lizenzen oder die Entwicklung eigener Stoffe auszugeben, plündern deutsche Produktionsfirmen zwar nicht immer, aber doch recht häufig bei Mitbewerbern oder bei den Kollegen aus dem Ausland.

Denn Formatklau drückt auch den Preis. Was jeder hat oder haben kann, ist automatisch weniger wert. "Weil die Formate nicht geschützt sind, lassen sich in Deutschland keine Geschäfte mit ihrer Entwicklung machen", sagt Axel Kühn, Leiter Business Development der Münchner Produktionsfirma Tresor. Ganz anders sieht die Lage etwa in Großbritannien aus. Weltweit stammt fast ein Drittel aller ausgestrahlten TV-Formate aus dem Vereinigten Königreich, darunter die Quizshow "Wer wird Millionär?", die bislang in 106 Länder verkauft wurde. Großbritannien ist damit der international größte Exporteur von TV-Formaten. Eine Spitzenstellung hat auch Deutschland inne - allerdings beim Import von Showideen.

Besserung ist nicht im Sicht, zumindest nicht auf juristischem Wege. Der Produzent, der sein Konzept für schützenswert hält, müsste sich wohl noch einmal durch alle Instanzen klagen. Das kostet Zeit und Geld. "Was nützt ein siegreiches Urteil nach Jahren des Klagens, während die Karawane der Formathändler schon weiter gezogen und der Massengeschmack ganz woanders angekommen ist?", fragt Christoph Fey.

Deshalb habe man "zusätzlich zum notwendigen juristischen Weg andere Möglichkeiten des Austauschs gesucht", erklärt Ute Biernat, Geschäftsführerin von Grundy Light Entertainment: die AGEP. Die Teilnehmer verpflichten sich, nicht im Formatangebot der anderen zu wildern, und haben vor, Problemfälle über den kurzen Dienstweg aus dem Weg zu räumen. Tresor-Mann Axel Kühn: "Da kann man auch mal einen Kollegen anrufen und ihm sagen: Der und der Sender hat Interesse an einem Format, an dem du die Rechte hast - sprich doch mal mit denen."

Wenig bis gar nichts hält man indes bei der Produktionsfirma Constantin Entertainment von der AGEP: "Ein zahnloser Papiertiger" - so lautet das wenig schmeichelhafte Fazit der beiden Geschäftsführer Ulrich Brock und Otto Steiner. Constantin Entertainment war vor allem wegen Produktionen wie "Die Supermamas", einer Version von "Die Super Nanny", und "Frauentausch" in Verruf geraten. Vorbild für "Frauentausch" war das britische Format "Wifeswap", an dem der Konkurrent Tresor die Rechte für den deutschen Markt gekauft hatte, um die RTL-Zuschauer mit "Ich tausche meine Familie" zu beglücken. Constantin jedoch war schneller: Ihr "Frauentausch" lief bei RTL 2 vor dem Konkurrenzprodukt bei RTL an. Das hatte bei den Zuschauern keine Chance mehr.

Klauen und beklaut werden

Dass sie in einem Zeitungsbericht "ungekrönte Klaukönige" genannt wurden, finden Brock und Steiner aber eher lustig. "Über diesen Vorwurf haben wir herzlich gelacht", versichern sie. Schließlich habe Tresor, einer der maßgeblichen Initiatoren der AGEP, ja auch schon auf Kosten von Constantin Entertainment geklaut. Das Tresor-Format "Schwul macht cool" sei von "Queer Eye for the Straight Guy" abgekupfert worden. "Ein Format", betonen die Constantin-Geschäftsführer, "für das wir die teuren Formatrechte mit der amerikanischen NBC bereits verhandelt hatten."

Klauen und beklaut werden - Alltag im deutschen Formatgeschäft. Ob sich durch die AGEP daran etwas ändert? Es ist einen Versuch wert, findet die Mehrzahl der Produzenten, doch Axel Kühn von Tresor, der einräumt, sich auch schon anderswo bedient zu haben und sich nun geläutert gibt, weiß auch: "Es ist auch ein gewisser Luxus zu sagen: Ich klaue keine Formate. Wenn einem das Wasser bis zum Hals steht, überlegt sich das jeder dreimal."

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Diebstahl verhindern

Deutsche Produzenten haben die Vereinigung AGEP gegen Formatklau gegründet. Mit dabei unter anderem: Grundy Light Entertainment, Brainpool, D&D Film- und Fernsehproduktion, Eyeworks, First Entertainment, Granada, Sony Pictures, Tresor TV Produktion, UFA Entertainment.

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs ist TV-Unterhaltung kein schützenswertes Gut. Die internationale Vereinigung für Formatschutz FRAPA setzt sich für die Rechte von Formaterfindern ein.

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Foto (2): RTL hat die Lizenz für "Wer wird Millionär?" mit Günther Jauch (r.) vom britischen Erfinder der Rateshow erworben.

Die ARD nahm später "Das Quiz" mit Jörg Pilawa ins Programm. Die Ähnlichkeiten sind nicht zufällig.