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Gefährliches Rotlicht

Wie Staatsquallen in der Tiefsee ihre Beute anlocken

Kerstin Viering

Ein Ausflug ins Rotlichtmilieu endet für Tiefseefische mitunter tödlich. Denn hinter dem roten Leuchten in der Finsternis könne sich eine hungrige Staatsqualle verbergen, berichten US-amerikanische und britische Wissenschaftler im Forschungsjournal Science.

Steven Haddock vom Monterrey Bay Aquarium Research Institute im kalifornischen Moss Landing und seine Kollegen waren mit einem ferngesteuerten Unterwasserfahrzeug auf Staatsquallenfang. Diese zerbrechlichen Organismen, die teilweise mehr als zehn Meter groß werden, lassen sich nur selten lebend aus dem Wasser fischen. Vor der kalifornischen Küste jedoch fingen die Forscher in 1 600 bis 2 300 Meter Tiefe gleich drei intakte Exemplare. Die zur Gattung Erenna gehörenden Tiere warteten mit einer Überraschung auf: Ihre frisch gebildeten Fangarme sandten blaugrünes Licht aus, ausgewachsene Tentakel leuchteten rot. Dabei hatten Meeresforscher bisher angenommen, dass Tiefseebewohner rotes Licht gar nicht sehen können.

Das aber scheint nicht zu stimmen, denn irgendeinem Zweck muss das Leuchten dienen. Des Rätsels Lösung vermuten die Forscher in den Fressvorlieben der Tiere: Denn diese ernähren sich vor allem von Fisch. Solche Beute aber ist in der Tiefsee selten; es ist daher unwahrscheinlich, dass die durchs Wasser treibenden Quallen zufällig darauf stoßen. Immerhin zwei der drei gefangenen Exemplare waren dennoch gerade dabei, einen Fisch zu verdauen. Die Forscher nehmen an, dass die Staatsquallen ihre Opfer mit dem roten Licht angelockt und dann verspeist haben. (kv.)

Science, Bd. 309, S. 263