BERLIN, 28. Juni. Was als vermeintlich stürmische Liebesgeschichte zwischen zwei Schauspielstars begann, entwickelt sich zum unterhaltsamsten PR-Desaster der Hollywoodgeschichte. Seit Tom Cruise vor etwa einem Monat im US-Fernsehen zur Bekräftigung seiner Liebe wie von Sinnen auf der Interviewcouch von Oprah Winfrey herum sprang, hält man den Schauspieler für seltsam. Und auch die Sympathiewerte für Katie Holmes, die mutmaßliche Dame seines Herzens, mit der Cruise inzwischen verlobt ist, trudeln ins Bodenlose.
T-Shirts und Delfine
Innerhalb weniger Wochen wurde sie erst bewundert, dann bedauert, um jetzt als abwesend grinsende Nervensäge wahrgenommen zu werden, die man offenbar zu heiß gebadet hat. Selbst die Internetseite www.freekatie.net, die anfangs dafür warb, "die junge, begabte Schauspielerin zu befreien, die von Mächten gefangen gehalten wird, die wir möglicherweise niemals verstehen", verkauft jetzt "Keep Katie"-T-Shirts. Tom, du kannst sie behalten!
Bis heute ist es nicht einmal klar, wie es überhaupt zur Begegnung von Cruise und Holmes kam. Zwar pressen die beiden bei jeder Gelegenheit, bei der Fotografen zugegen sind, mit vehementer Leidenschaft ihre Münder gegeneinander, doch Fragen zu ihrem Kennenlernen verhallten bislang ungehört im Raum. Als der Talk-Master David Letterman Katie Holmes jüngst darum bat, den Ursprung ihrer Liebe zu erläutern, erzählte sie eine unverständliche Geschichte, in der weder sie noch Cruise, dafür aber Delfine eine tragende Rolle spielten. Es wird allerdings angenommen, dass Cruise Holmes für eine Rolle in "Mission Impossible III" vorsprechen ließ. Wie Fox News berichtete, lud Cruise zu diesem Zweck auch die Jungschauspielerinnen Jennifer Garner, Kate Bosworth, Lindsay Lohan, Jessica Alba und Scarlett Johansson. Von Johansson weiß man, dass Cruise sie ins Scientology Celebrity Center von Hollywood mitnahm, welches sie aber fluchtartig verließ.
Derlei Berührungsängste plagten Holmes, die momentan in "Batman Begins" zu sehen ist, offenbar nicht. Tatsächlich ist die streng erzogene Katholikin, die auch heute noch ungefragt erzählt, dass sie als Jungfrau in die Ehe gehen möchte, von Scientology - wo es um die Seelen Außerirdischer, die der Menschheit das Leben schwer machen, geht - begeistert. Zwischen dem ersten Treffen mit Cruise und der Bekanntgabe ihrer Beziehung war Holmes laut Fox News 16 Tage lang spurlos verschwunden. Sie nutzte die Zeit, um ihr Management zu feuern, ihre Religion zu wechseln und sich auch noch eine neue Freundin zuzulegen, die sie nun auf Schritt und Tritt begleitet. Laut "New York Daily News" heißt diese Jessica Rodriguez. Sie bekleidet angeblich den Rang eines New Operating Thetan IV, was laut Scientology-Homepage bedeutet, dass sie "wissentlich und willentlich Ursache über Leben, Denken, Materie, Energie, Raum und Zeit" ist. Von Tom Cruise heißt es, er habe gar den Rang eines New Operating Thetan VII, eine der höchsten Stufen in der Scientology-Hierarchie.
Vielleicht ist das auch der Grund dafür, warum Cruise, der jahrelang zu Scientology eher selten Auskunft gab, neuerdings mit Eifer für seinen Glauben wirbt. Nicht nur, dass er darauf bestand, beim Dreh des neuen Spielberg-Films "Krieg der Welten", der am Donnerstag in die deutschen Kinos kommt, ein Scientology-Info-Zelt aufstellen zu lassen. Auch mussten beinah alle Journalisten, die ein Interview mit ihm führen wollten, erst eine vierstündige Besichtigungstour durchs Scientology-Quartier bewältigen. In Talkshows griff er wiederum völlig unmotiviert seine Kollegin Brooke Shields an, weil sie nach einer postnatalen Depression Medikamente eingenommen hatte, die ihr nach eigener Auskunft auch halfen. Da Medikamente aber nach der Scientology-Doktrin Teufelszeug sind, riet er ihr zu "Vitaminen und gewissen Übungen", die auch gegen ihren Karriereknick helfen würden. Shields empfahl ihm, sich lieber dem Kampf gegen Außerirdische zu widmen und schickte ihm zwei Karten für das Theaterstück, in dem sie derzeit zu sehen ist - eine für Erwachsene für Cruise, eine ermäßigte für seine jugendliche Freundin.
Aufruf zum Boykott
Doch der Feldzug von Cruise ging weiter. In beinah jeder Show, in der er in den letzten Tagen auftrat, erklärte er die Psychologie zu einer Nazi-Wissenschaft und verstieg sich zu der These, dass der Heroin-Ersatz Methadon nach Hitler benannt zunächst Adolophine hieß. In einem Land wie den USA, wo ein Antidepressivum wie Prozac so verbreitet ist wie hier zu Lande Aspirin, kommt derlei Kritik aber nicht überall gut an. Inzwischen zirkuliert im Internet (www.petitiononline.com/Tomkat) eine Unterschriftenliste, die zum Boykott von "Krieg der Welten" und aller anderen Cruise-Filme aufruft. Auch Katie Holmes brachte die neue Beziehung nicht nur Gutes. Von der Besetzungsliste des nächsten "Batman"-Films hat man sie schon gestrichen.
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Nur ein Werbegag?
Tom Cruise war bereits zwei Mal verheiratet. Die Ehen mit den Schauspielerinnen Mimi Rogers und Nicole Kidman wurden beide geschieden. Eine Beziehung zu seiner Kollegin Penelope Cruz endete im vergangenen Jahr.
Katie Holmes und ihr Ex-Verlobter Chris Klein gehen nach fünfjähriger Beziehung seit kurzem wieder getrennte Wege. Holmes ist durch die Fernsehshow "Dawson's Creek" und den Film "Wonder Boys" bekannt geworden.
Bei Umfragen in den USA meinte eine Mehrheit, dass die Beziehung zwischen Cruise und Holmes eine PR-Aktion sei. Holmes spielt in "Batman Begins", Cruise ist ab Donnerstag in "Krieg der Welten" zu sehen.
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Foto: Tom Cruise liebt schwere Motorräder und Katie Holmes. Die Verlobte durfte bei der Premiere von "Krieg der Welten" in Hollywood seine Sozia sein.