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Punktsieg für die Phonobranche

Die obersten US-Richter nehmen Betreiber von Online-Tauschbörsen in die Pflicht

Thorsten Knuf

Internet und Computer sind bekanntlich die größten Feinde der Musikindustrie. Aus dem Netz lassen sich problemlos Musikstücke herunterladen, die die Anwender dann selbst auf CD brennen können. Der Gang ins Musikgeschäft wird überflüssig, die Phono-Wirtschaft klagt deshalb seit Jahren über Umsatzeinbußen. Eine ganze Armee von Anwälten ist deshalb im Auftrag der Branche damit beschäftigt, den Raubkopisten in aller Welt das Handwerk zu legen.

Am Montag hat die Musikindustrie in dieser Hinsicht einen spektakulären Sieg errungen: Wie der Oberste Gerichtshof der USA entschied, können die Betreiber von Internet-Tauschbörsen wie Grokster oder Morpheus zur Verantwortung gezogen werden, wenn ihre Nutzer illegal Musiktitel oder Filme kopieren. Die Richter in Washington kamen damit zu einem anderen Schluss als alle Vorinstanzen. Die hatten stets die Auffassung vertreten, dass sich die Tauschbörsen selbst nicht strafbar machen, wenn die Surfer die angebotene Software zum Bruch des Urheberrechts benutzen.

Kläger im vorliegenden Fall war das Hollywood-Studio MGM, das von zahlreichen Unternehmen der Branche unterstützt wurde. Das Urteil gilt als die wichtigste Entscheidung zum Urheberrecht in den USA seit 20 Jahren. Ein Vorspiel hatte es vor vier Jahren gegeben, als ein Gericht der Tauschbörse Napster untersagte, kostenlos Musik zur Verfügung zu stellen.

Napster bot den Nutzern allerdings ein zentrales Verzeichnis der verfügbaren Musiktitel. Das ist bei Grokster und Morpheus nicht der Fall. Weil die Titel bei diesen Anbietern überdies nicht auf einem Zentralrechner, sondern auf den Computern der Surfer lagern, argumentieren Grokster und Morpheus, dass sie ja nur Software-Anbieter seien. Die Kläger hingegen vertraten die Ansicht, dass die Software nur entwickelt worden sei, um das Urheberrecht auszuhebeln.

Experten rechnen damit, dass nun eine wahre Prozesswelle losgetreten wird. Vermutlich wird die Branche versuchen, sich an Entwicklern und Betreibern von Tauschbörsen schadlos zu halten. In der Folge werden Anbieter schließen müssen. Doch damit hat die mächtige Musikindustrie noch lange nicht über das Tauschwesen im Internet triumphiert. Denn schließlich gibt es im Netz ja genügend Möglichkeiten, irgendwohin abzutauchen und sich vor dem Zugriff der Justiz, klagender Firmen und deren Anwälten zu verstecken.