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Der Vater des Computers

Ernst-Freiberger-Stiftung weiht ein Denkmal für Konrad Zuse ein

Uwe Aulich

MOABIT. Bill Gates und seinen Microsoft-Konzern kennt heute wohl jeder. Doch das Zeitalter des Computers wurde lange Zeit vor ihm von einem anderen eingeläutet. Und der ist fast in Vergessenheit geraten. Schon 1941 schuf Konrad Zuse (1910-1995) in Kreuzberg die erste voll funktionsfähige und programmgesteuerte Rechenanlage der Welt. Deshalb gilt er als der Vater des Computers. Gegenüber dem Prototypen Z1, der ein ganzes Zimmer einnahm, war Zuses Z3-Rechner vergleichsweise klein. Er hatte nur einen Umfang von drei großen Kühlschränken. Am 12. Mai 1941 stellte Konrad Zuse seinen Rechner einer kleinen Gruppe von Wissenschaftlern vor. Die Leistung des Wissenschaftlers ehrt die Ernst-Freiberger-Stiftung mit einem Denkmal. Seit gestern erinnert eine Büste im Spree-Bogen an den Computer-Pionier.

Straße der Erinnerung nennt die Stiftung ihr Areal zwischen dem Bundesinnenministerium und der Spree nahe der Moabiter Brücke. "Das Bild, das man im Ausland von Deutschland bekommt, ist oft nur durch den Nationalsozialismus geprägt", sagt Rupert Rußwurm, Geschäftsführer der Ernst-Freiberger-Stiftung. Ausländische Besucher der Stadt sollen aber ein besseres und differenzierteres Bild von Deutschland mitnehmen. Deshalb wolle die Stiftung auf ihrem Gelände die "Helden ohne Degen" ehren, Persönlichkeiten, die im vergangenen Jahrhundert herausragende wissenschaftliche, künstlerische oder gesellschaftspolitische Leistungen vollbracht haben.

Die Zuse-Büste ist 35 Zentimeter hoch und thront auf einem grauen Granitsockel. Die Plastik ist ein neuer Abguss einer Büste, die Zuse selbst bereits 1979 anfertigen ließ. Die neue Skulptur wurde von der Bildgießerei Seiler in Schöneiche angefertigt. "Wir sind sehr stolz auf das Denkmal", sagt Rußwurm.

Das Zuse-Denkmal ist das zweite, das die Stiftung im Spree-Bogen aufstellt. Bereits 2002 wurde eine Büste des Wissenschaftlers, Außenpolitikers und Dichters Albrecht Haushofer (1903-1945) eingeweiht und damit die Straße der Erinnerung begründet. Haushofer stand zunächst dem NS-Regime aufgeschlossen gegenüber, schloss sich später aber dem Widerstand an. Nach seiner Festnahme 1944 schrieb er im Zellengefängnis in Moabit die Gedichtsammlung "Moabiter Sonette", in der er sich kritisch mit seiner eigenen Schuld auseinander setzte. Haushofer hatte die führenden Köpfe des 20. Juli 1944 beeinflusst und wurde von den Nazis 1945 erschossen.

Wie Rußwurm sagt, werde die Straße der Erinnerung nach und nach vervollständigt. Zwölf Büsten will die Stiftung dort aufstellen, als nächste eine von Walther Rathenau.

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Foto: So sieht sie aus: Innenminister Otto Schily (r.) und Professor Horst Zuse präsentieren die Büste von Konrad Zuse.