Es waren zwei schwierige Jahre, die der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) seit seiner Gründung im Mai 2003 durchmachen musste. Und es gehört keine große Hellseherkunst dazu, zu behaupten, dass noch weitere folgen werden. Der Sender muss sparen. 17 Millionen Euro fehlen ihm bis Ende 2008, weil die Gebühreneinnahmen geringer ausfallen als geplant. Weitere 18 Millionen kommen in dem Zeitraum hinzu, weil die aus SFB und ORB entstandene Anstalt teilweise noch die Belastungen der vormaligen Doppelstrukturen zu tragen hat. Der Gesamtetat des Senders liegt bei knapp 400 Millionen Euro jährlich.
Am Montag präsentierte die Intendantin Dagmar Reim den Mitarbeitern und Sendergremien nun das Projekt "RBB 2009", in dem die Programm- und Sparziele bis zum Ende der Gebührenperiode detailliert zusammengefasst werden. Im Mittelpunkt aller Überlegungen stehe das Programm, sagte Reim. Deshalb kämen nur etwa 30 Prozent der erforderlichen Einsparsumme aus den Programmetats, 70 Prozent aus den Bereichen Technik, Produktion und Verwaltung. "Wir sind in der Lage, das Programm weitgehend zu schonen und Arbeitsplätze zu erhalten", erklärte sie.
Sendungen werden gestrichen
"Weitgehend" - das heißt im Hörfunk: alle sieben Radiowellen des RBB bleiben - auch die Sender Antenne Brandenburg und 88acht (Berlin), die allerdings spätabends künftig das gleiche Programm ausstrahlen werden. Bei Fritz ("Ohrenzeuge"), Radio Multikulti ("Viadukt") und Kulturradio ("Klanggalerie") werden einzelne Sendungen gestrichen. Im Fernsehen sollen vor allem Synergieeffekte Einsparungen bringen. Durch eine Kooperation etwa der Polit-Magazine "Klartext" (RBB) und "Kontraste" (RBB-Produktion für die ARD) könnten pro Jahr 200 000 Euro gespart werden, erklärte Fernsehdirektor Gabriel Heim. An den Krimiproduktionen für das Erste (Tatort, Polizeiruf) werde nicht gerüttelt. Vielmehr werde der RBB demnächst auch einmal im Jahr den Mittwochsfilm in der ARD produzieren. Das Geld dafür soll durch "Umschichtungen" erbracht werden. Beim "Gernseh- abend" könnte beispielsweise der Anteil an Eigenproduktionen zurück gefahren werden.
Trotz allem wird der Sender nicht um einen Personalabbau herumkommen. Die Zahl der festen Stellen soll von 1 760 (2003) auf 1 452 (2009) sinken - nach Möglichkeit ohne betriebsbedingte Kündigungen, wie Dagmar Reim erklärte. 75 Stellen davon wurden seit der Fusion bereits eingespart.
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Alle Bereiche betroffen
Hörfunk: Beim Radio sollen bis Ende 2008 rund 2,16 Millionen Euro eingespart werden. Geplant ist ein gemeinsames Programm von 88acht und Antenne Brandenburg von 22 bis 0 Uhr. Bei Fritz wird die Sendung "Ohrenzeuge" eingestellt. Auch Radio Multikulti und Kulturradio müssen auf Sendungen verzichten. Inforadio soll künftig den Kern für alle Nachrichten des RBB-Hörfunks bilden. Die Programme werden nach und nach auf Selbstfahrbetrieb umgestellt.
Fernsehen: Das Fernsehen erbringt einen Sparbeitrag von 4,5 Millionen Euro. Der größte Teil soll durch Synergien bei Herstellung und Verwendung von Programmen erzielt werden. Hinzu kommen Einschränkungen bei der Event-Berichterstattung und beim Sport. Der finanzielle Beitrag zum Kinderkanal Kika wird gekürzt, die Zahlung von Lizenzgebühren an Veranstalter, über deren Veranstaltungen der RBB berichtet, eingestellt.
Produktion/Technik/Verwaltung: In Brandenburg soll 2007 die analoge terrestrische Verbreitung durch DVB-t ersetzt werden. Betroffen: 15 000 Haushalte. Ersparnis: acht Millionen Euro. In der Verwaltung werden durch die Senkung von Ausstattungsniveaus und Standardkosten (Versicherungen etc.) sowie Leasing statt Kauf 6,5 Millionen Euro eingespart.