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Geschäumte Ironie

Der Schweizer Urs Fischer in der Flick-Collection am Hamburger Bahnhof

Ingeborg Ruthe

Schwer zu glauben, dass Urs Fischer eigentlich Fotograf ist. Seinen raumfüllenden Installationen jedenfalls sieht man das nicht mehr an. Der 31-jährige Schweizer, der dem früh verstorbenen genialen Kunstmessie Dieter Roth schon mal als Barkeeper zur Hand ging, hat keine Probleme mit einem heftigen Realismus, wenn er nur nackt ist. In den Rieck-Hallen am Hamburger Bahnhof, Domizil der Sammlung Flick, hat er drei wächserne Frauenfiguren aufgebaut, mit Löwenmähne auf dem Tisch drapiert, mit brennenden Dochten versehen. Auch in anderen Arbeiten bricht sich die Neigung zum theatralischen Kulissenzauber Bahn, ausgeformt in Polyurethanschaum, Wachs und viel expressiv gesetzter Farbe. Fischer wildert sich lustvoll und mit beißender Ironie durch die Moderne, schafft verwirrende Zeitbezüge und Assoziationen, scheut weder Popkitsch noch expressive Kraftmeierei. Man sieht den Arbeiten die surreale Verfremdung an und erkennt rasch, dass solch dick aufgetragener Eklektizismus konzeptuelle Absicht sein muss. Nicht zuletzt kokettiert der in der Kunstszene immer gefragtere Schweizer auch mit dem Prinzip des Dilettantischen in der spätmodernen Kunst. Ein Versuch, sich dem auf Rationalität ausgerichteten Weltbild entgegenzusetzen - wie schon bei Dieter Roth. (ir.)

Flick-Collection, Rieck-Hallen, Invalidenstr. 50/51, ab heute bis 7. 8. Di-Fr 11-18/Sa+So 11-18 Uhr.

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Foto: Eine von Urs Fischers Musen aus Polyurethanschaum, Wachs und Farbe