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Licht auf düsterem Grund

Galerie Schoen & Nalepa zog ins DomAquarée und zeigt Porträts von Makarov

Ingeborg Ruthe

Das Bild am Eingang lässt keinen Zweifel. Nikolai Makarov, Moskauer, Wahlberliner seit 1975 und New Yorker auf Zeit seit gut zehn Jahren, hat sich auf Rembrandt eingelassen, auf dessen Licht auf dunklem Grund. Die kleine Tafel zeigt goldtonige, schemenhafte Anklänge an eines der berühmten Selbstbildnisse des Leideners um 1628. Und auch der 52-jährige Russe sucht, was der alte Meister in seinen Bildern erreichte, den Ausgleich der Gegensätze, die Balance zwischen Düsternis und Helligkeit, gleichsam zwischen Böse und Gut. Dieses Kräfteverhältnis vor Augen, muss der Betrachter selbst entscheiden, ob sein Gefühl dem bange machenden Dunkel folgt oder dem hoffnungsvollen Licht.

Die Kunstgeschichte ist reich an Anlehnungen, Adaptionen und Anleihen. Bei Makarov hat die Affinität zu dem Holländer nichts zu tun mit bloßer Nachahmung infolge eigener Einfallslosigkeit. Der Russe ist in seiner Heimat über den Umweg der Pressezeichnung und Filmmalerei zum Maler geworden - inmitten einer Tradition der so melancholischen wie kontemplativen Töne. Später wurde er als Akademie-Meisterschüler bei dem Ostberliner Zeichner Werner Klemke weiter geformt zum eigentümlichen Porträtisten. Er bekennt sich zu Rembrandt, vor allem "wegen des intensiven ,Gesprächs' - über Zeiten, Stile, Trends und Brüche hinweg".

Unübersehbar sucht Makarov Wahlverwandtes. 1994 gründete er in Berlin das "Stille Museum" und vier Jahre später in New York den "Raum der Stille" im Arnit Art Museum New York - jeweils als Orte ausschließlich meditativer Bilder. Er spürt dem geheimnisvollen Helldunkel rembrandtscher Menschenbilder nach. Und er grenzt sich ab, indem er seine Modelle im unmittelbaren Alltag sucht , im Freundeskreis, in der Kulturszene, im öffentlichen Leben der Stadt Berlin.

Mit diesen Porträts weiht die ehemals Wilmersdorfer Galerie Schoen & Nalepa nun ihre neue Mitte-Adresse im DomAquarée ein - rechts zur Spreeseite, links zum Atrium des Komplexes hin. In dem hohen, funktionalen Galeriesaal ist viel Platz für die Bildnisse. Es kann sich das Stille, Gedämpfte, beinahe Karge der meist kleinformatigen Bilder entfalten, und damit auch gerade die meditative Versunkenheit der Porträtierten - von Albert Einstein bis zu den Architekten Philipp Johnson (in Rastern gemalt) und Max Dudler, von den Bühnenkünstler Max Raabe und Peter Fitz bis zu Anna Thalbach.

Den namenlosen weiblichen Akten schließlich ist durch die Malweise zwischen Licht und Schatten, Verdichtung und Auflockerung eine gewisse Aura nicht abzusprechen. Auch nicht die Sinnlichkeit, vermischt mit der Ahnung von Vergänglichkeit. Makarov hofft, er könne so die Betrachter "zum Nachdenken bringen", ihnen jene Gegensätzlichkeit vor Augen führen, die alles Sein ausmacht und für ihn immer Ausgangspunkt gewesen sei: der Dualismus von Leben und Tod, von Licht und Nacht.

Der Maler filtert das Rembrandtsche Motiv - gerade auch bei den bestechenden drei Selbstporträts von 2004. In ihnen stellt er sich selbst mit spitzem langen Bart und durchdringendem Blick dar und nimmt humorvoll in Kauf, dass man ihn so durchaus als einen Doppelgänger Rasputins sehen kann. Gleichsam "sintert" er Schatten und Licht nach seiner Vorstellung aus, bis er das Gesicht, den Kopf, die Haltung dieses Kopfes erreicht, so dass das Ergebnis keineswegs mehr Variation - und auch nicht Metamorphose - des Vorbildes ist.

Das Raumlicht akzentuiert die Gesichter und Köpfe der Modelle, hüllt sie zugleich in ein rätselhaftes, weich ineinander übergehendes, gleichsam auch beschützendes Helldunkel, aus dem sich vor den Augen des Betrachters, sofern er der Hektik der Stadt für Augenblicke entronnen ist, langsam, aber sicher die Physiognomie als vibrierende Momentaufnahme des jeweiligen Charakters schält. Jener nun ist malerisch spannungsvoll angelegt zwischen nicht Sagbarem, doch vage Sichtbarem. Je nach Stimmung und Aufnahmefähigkeit des Betrachters changieren die Bildnisse zwischen Ähnlichkeit und Differenz, Repräsentation und Idealisierung.

Die von Nikolai Makarov porträtierten Zeitgenossen wirken auf diese Art und Weise wie aus allen Zeit- und Raumbezügen gelöst, denn der Maler vermag Stille sichtbar zu machen. Auf diese Weise begegnet er dem Anachronismus-Vorurteil, man könne in einer Zeit, in der Fotografie, Film, Fernsehen und Internet längst die führende Rolle als Chronisten und Bewahrer des öffentlichen Gedächtnisses übernommen haben, keine adäquaten Menschenbilder mehr malen.

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Moskau-Berlin // Nikolai Makarov wurde 1952 in Moskau geboren, er studierte Germanistik an der Humboldt-Universität Berlin, war dann in Moskau als Pressezeichner und Maler bei Mosfilm tätig. Er zählte zu den russischen Nonkonformisten, heiratete nach Berlin, studierte an der HU Geschichte und malte. Von 1984-87 war er Meisterschüler an der Akademie der Künste. Seit Jahren lebt er neben Berlin auch in New York.

Eröffnungsausstellung der Galerie Schoen+Nalepa, im DomAquarée St. Wolfgang-Straße 2, bis 7. Mai, Di- Fr 12-20/Sa 12-18 Uhr. Tel.: 85 96 25 25. Anschließend sind die Bilder in Paris und New York zu sehen.

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Foto: Der russische Maler Niklolai Makarov als sein eigenes Modell - im Dialog mit Rembrandt.