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Mann erfror einen Tag nach Zwangsräumung

41-jähriger Potsdamer hatte 9 000 Euro Mietschulden

Katrin Bischoff

POTSDAM. Einen Tag nach der Zwangsräumung seiner Wohnung in Potsdam-Babelsberg ist ein 41-jähriger Mann erfroren. Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, entdeckten Spaziergänger den leblosen Mann am Mittwoch gegen 8.30 Uhr im Park Babelsberg. Andreas H. lag etwa 50 Meter vom Hauptweg entfernt hinter einer Böschung auf einem Teppich. Neben ihm wurden ein Rucksack und mehrere Bierflaschen gefunden. Ein Notarzt konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen. Die Polizei schließt ein Fremdverschulden aus.

Erste Ermittlungen ergaben, dass Andreas H. erst einen Tag zuvor auf Beschluss des Amtsgerichts seine Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung in der Tuchmacherstraße verlassen musste. Andreas H. lebte dort seit 1986. Seine Frau starb vor sechs Jahren an Krebs. Seit 2001 soll H. keine Miete und keine Betriebskosten mehr gezahlt haben. Daraufhin verklagte ihn der Wohnungseigentümer Ende April 2004. Die Mietrückstände von Andreas H. hatten sich zu diesem Zeitpunkt auf rund 9 000 Euro angehäuft. Da der Mann in dem Verfahren keinerlei Widerspruch einlegte, erging gegen ihn im November 2004 ein so genanntes Versäumnisurteil, in dem die Zwangsräumung angeordnet wurde. Auch dagegen wehrte sich Andreas H. nicht. Am Dienstag kam dann der Gerichtsvollzieher.

Verwandte von Andreas H. ahnten nichts von den Problemen des Mannes. Er soll weder Sozialhilfe noch Arbeitslosengeld II bezogen haben. Das Sozialamt der Stadt war von der bevorstehenden Räumung informiert. Warum es nicht eingriff, war am Donnerstag nicht mehr zu erfahren. In seiner Wohnung soll Andreas H. einen Zettel für seinen 19-jährigen Sohn hinterlassen haben. "Geh zur Oma", soll sinngemäß darauf gestanden haben. (kbi.)