FRIEDRICHSHAIN. Die historischen Leuchten an der Karl-Marx-Allee sind in einem bedauernswerten Zustand. Ein Drittel der 205 Kandelaber ist bereits abmontiert und der Rest zum Großteil auch schon nicht mehr funktionstüchtig. Doch es gibt Hoffnung. "Das Thema wird in Kürze erneut in den Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses eingebracht", sagt Manuela Damianakis, die Sprecherin von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Das Gremium muss entscheiden, wie viel Geld die Rekonstruktion der fast 50 Jahre alten Straßenlaternen, die eigens für die im Moskauer "Zuckerbäckerstil" errichtete Straße gefertigt wurden, kosten darf. Welche Summe die Senatorin fordert, sagt ihre Sprecherin nicht. Nur: "Es werden mehr als 1,8 Millionen Euro gebraucht."
So viel hatte nämlich der Hauptausschuss im vergangenen Jahr für die Lampen bewilligt und dafür Kritik einstecken müssen. Denn nach Berechnungen des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg sind rund 4,4 Millionen Euro für eine denkmalgerechte Sanierung erforderlich. Auch die Architektenkammer und die Berliner Baukammer fordern eine originalgetreue Rekonstruktion der Beleuchtung auf dem gesamten zwei Kilometer langen Straßenabschnitt. "Die Karl-Marx-Allee ist Deutschlands längstes Baudenkmal und ein einzigartiges Gesamtkunstwerk", sagt Marion Petra Huhn vom Vorstand der Architektenkammer. Mit der Sanierung der Laternen dürfe nicht länger gewartet werden. "Kaputte Lampen verschandeln das Denkmal." Eine billige Lösung werde der Straße auch nicht gerecht: "Einfache Peitschenmasten passen nicht dorthin."
"Wir müssen abwägen zwischen dem denkmalgerechten Anspruch und den finanziellen Möglichkeiten Berlins", sagt Damianakis. Es habe inzwischen mehrere Runden zwischen den Denkmalschützern und der Senatsverwaltung gegeben. Die Tatsache, dass erneut eine Vorlage zu den Laternen in den Hauptausschuss eingebracht wird, zeige, dass die Kritik ernst genommen wurde.