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Bloß nicht Amélie!

Die Schauspielerin Audrey Tautou will mehr sein als die ewige Märchenfee

Axel Veiel

PARIS, 27. Januar. Für den Fall, dass jemand nach dem Warten vor Kassen und Fahrstühlen des Eiffelturms den Drang verspürt, sich kurz die Füße zu vertreten, sollte er einfach mal zwei Straßenecken weiter schlendern. In der Avenue Rapp wird man landen, wo Audrey Tautou wohnt, Nummer 20. Vielleicht kommt die Schauspielerin gerade auf die Straße, etwa um schnell diese penetrant nach Gewürznelken riechenden Zigaretten kaufen, die sie raucht, und wahrscheinlich trägt sie dann einen ihrer legeren Pullover, die ihr drei Nummern zu groß sind.

Zufällig zum Film

Dann heißt es, nichts falsch zu machen. Vor allem darf einem nicht herausrutschen, was auf der Zunge liegt, nämlich das Wort "Amélie!" Denn das ist der sicherste Weg, es sich mit Audrey ein für allemal zu verderben. Die 26-jährige Französin kann es nicht ausstehen, wenn sie gleichgesetzt wird mit dieser fabelhaften Fee, mit der Audrey Tautou zum Weltstar wurde. So glanzvoll, wie sie die wunderliche Wohltäterin vom Montmartre in ihrem ersten Film mit Regisseur Jean-Pierre Jeunet auch verkörpert hat, sie selbst ist ganz anders. Das betont sie immer wieder. Das Dumme ist nur: Millionen Menschen wollen das nicht wahrhaben. Wird die gerade 1,63 Meter große Frau irgendwo im Pariser Menschengewühl entdeckt, bekommt sie von allen Seiten vertrauliche Blicke zugeworfen. "Ich kenn' dich", soll das sagen.

Im Ausland ist es noch schlimmer. Da ist dann alles eins: Audrey gleich Amelie gleich typische Französin. Und wie reagiert sie darauf? Sie versucht, so bitterböse zu gucken, wie es geht. Und neuerdings greift sie vorbeugend auch mal zu Sonnenbrillen, Hüten und anderen Verhüllungen, damit es gar nicht erst zu solchen Begegnungen der unerwünschten Art kommt. "Wenn man berühmt wird", hat sie gelernt, "ist man immer irgendwo allein."

Die anmutige Audrey Tautou hat immer klarzustellen versucht, dass sie keine Märchenfee ist, sondern eine verhinderte Menschenaffenforscherin, die mehr oder weniger zufällig beim Film gelandet ist; dass sie Tochter eines Zahnarztes und einer den Analphabetismus bekämpfenden Mutter ist und nach dem Vorbild der Eltern gern ein glückliches Familienleben führen und vor allem viele Kinder zur Welt bringen würde. Und die aus der Auvergne stammende Schauspielerin hat sich ja wirklich nicht nur als Amélie empfohlen. In Dutzenden anderen Rollen war sie zu sehen. In "Dirty Pretty Things" etwa spielte sie 2003 eine türkische Immigrantin, und in ihrem jüngsten Film, dem gerade auch in Deutschland angelaufenen "Mathilde - Eine große Liebe", spielt sie jene Frau, die nicht wahrhaben will, dass ihr Verlobter auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs umgekommen sein soll.

Keine Lust auf Hollywood

Und dennoch: Audrey, Amelie und nun auch Mathilde sind irgendwie Seelenverwandte, alle drei ohne Falschheit, jede wie ein offenes Buch, in dem man lesen kann. Ob vor der Kamera oder nicht, stets erscheint Audrey Tautou in kindlicher Unschuld und zugleich ganz nah bei sich selbst. Was ihr ins Gesicht geschrieben steht, ist immer die Botschaft von entwaffnender Aufrichtigkeit.

Demnächst wird sie nun auch in Hollywood spielen, mit Tom Hanks zusammen in der Dan-Brown-Verfilmung "Das Sakrileg". Das hat viele überrascht. Audrey Tautou hatte nie großes Interesse an Hollywood gezeigt. Sie lehnte viele Angebote amerikanischer Regisseure ab. "In den USA Karriere zu machen ist mir nicht wichtig", sagte sie einem zweifelnden Reporter aus Los Angeles, "ich weiß, dass das eine langweilige Antwort ist, aber es ist nun einmal die Wahrheit."

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Am Anfang war die "schöne Venus" // Audrey Tautou wurde am 9. August 1978 in Beaumont geboren. Ihr Vater ist Zahnarzt, ihre Mutter unterrichtete in einer Vereinigung zur Bekämpfung des Analphabetismus.

Nach dem Abitur studierte Audrey in Paris Literatur, spielte nebenbei an einem Theater. Nach ersten Bühnen-Erfolgen brach sie ihr Studium ab.

Ihre erste Filmrolle bekam sie in Tony Marshalls "Schöne Venus" (1998). Weltweit berühmt wurde Audrey Tautou im Jahr 2001 mit "Die fabelhafte Welt der Amélie".

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Foto: Die fabelhafte Audrey hat schon in vielen Rollen brilliert.