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Über das Planen einer Belagerung

Aus der "Kunst des Krieges" des chinesischen Militärtheoretikers Sun Tsu

Meister Sun: Die allgemein gültige Regel für den Einsatz des Militärs lautet: Es ist besser, eine Nation unversehrt zu belassen als sie zu zerstören. Es ist besser, eine Armee unversehrt zu belassen als sie zu vernichten; es ist besser, eine Abteilung unversehrt zu belassen als sie zu vernichten; es ist besser, eine Einheit unversehrt zu belassen als sie zu vernichten.

Cao Cao: Du stellst eine Armee auf und dringst tief in das Territorium deines Gegners vor und bleibst in Bewegung; du blockierst den Raum zwischen dem Bollwerk innen und den Stadtmauern außen und unterbrichst die Kommunikation zwischen innen und außen, worauf der Feind sich vollständig ergibt - so ist es am besten. Greifst du in zerstörerischer Absicht an und nimmst ein Land mit Gewalt ein, dann ist dies eine mittelmäßige Leistung.

Jia Lin: Gelingt es dir, das Land des Gegners unversehrt zu lassen, dann wird auch dein eigener Staat heil bleiben. So ist es am besten.

Li Quan: Dies bedeutet, dass Töten nicht wichtig ist.

He Yanxi: Die beste Politik besteht darin, sich Strategie, Beeinflussung und den Verlauf der Ereignisse zu nutze zu machen, um den Gegner zur freiwilligen Aufgabe zu bewegen.

Meister Sun: Daher beweisen jene, die jede Schlacht gewinnen, nicht wirklich höchstes Geschick - jene, die die gegnerische Armee hilflos machen, ohne es zu einem Kampf kommen zu lassen, sind die wahrhaft Vortrefflichen.

Cao Cao: Der beste Sieg ist dann errungen, wenn der Gegner sich aus eigenen Stücken ergibt, bevor es tatsächlich zu Feindseligkeiten kommt.

Chen Hao: In einem Kampf kommst du nicht umhin, Menschen zu töten, daher ist es am besten, zu siegen, ohne zu kämpfen.

Jia Lin: Am besten ist es, wenn deine Truppen dem Feind so große Ehrfurcht einflößen, dass alle kommen, um sich zu ergeben. Dies ist besser als ein Sieg, der durch Betrug, Gewalt und Gemetzel erlangt wird.

Mei Yaochen: Dies hängt davon ab, ob du eine Abscheu davor verspürst, anderen Verletzungen zuzufügen.

Zhang Yu: Gelingt es dir nur dann, die Oberhand zu behalten, wenn du dich auf einen Kampf einlässt, gibt es gewiss viele Opfer; dies ist nicht gut. Wenn es dir gelingt klarzustellen, was belohnt und was bestraft wird; wenn deine Weisungen verlässlich sind ; wenn du deine Offiziere und Truppen trainierst, sie exerzieren lässt und ihre Stärke überall bekannt machst, damit du den Gegner auf der psychologischen Ebene besiegen kannst, so ist dies vortrefflich.

Wang Xi: Man schätzt es hoch ein, wenn die Strategie des Gegners durchkreuzt wird, und nicht, wenn es zu einer regelrechten Schlacht kommt.

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Sun Tsu, ein chinesischer Heerführer des 4. Jahrhunderts v. Chr., hat mit der "Kunst des Krieges" eine der frühesten militärtheoretischen Schriften verfasst. Die kommunistische Armee Chinas hat ihre Strategie nach ihm gebildet, auch in der angelsächsischen Welt wird er viel gelesen. Wir entnehmen die Auszüge der Ausgabe "Wahrhaft siegt, wer nicht kämpft", Serie Piper, Band 3330, München 2001.