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Bleiben Sie weg vom Computer!

Die Schauspielerin Salma Hayek über E-Mails, Liebesbriefe, Diamanten und mutige Frauen

Christian Aust

Frau Hayek, im Film "After the Sunset" spielen Sie eine Diamantendiebin, die mit modernster Technik gerüstet ist, um ihre Beute zu stehlen. Wie sieht es im wirklichen Leben mit Ihrer Begabung für Technik aus?

Technik gehört nicht gerade zu meinen Lieblingsthemen. Wissenschaft finde ich interessant. Aber Technik? E-Mails finde ich zum Beispiel ganz fürchterlich. Ich hasse sie. Ich bekomme überhaupt nichts von dieser Person, die mir da schreibt. Keine Handschrift, keinen Kaffeefleck auf dem Papier, keinen Tintengeruch. Sie sehen alle gleich aus. Egal, ob ich eine E-Mail von jemandem bekomme, den ich liebe, oder von jemandem, den ich hasse. Jegliche Individualität geht verloren. Ich rate Ihnen: Bleiben Sie weg vom Computer! Schreiben Sie wieder Liebesbriefe! Ich schreibe jedenfalls welche. Das Telefon mag ich auch nicht besonders, aber da kann ich wenigstens eine Stimme hören.

Sie mussten sich im Film als Mann verkleiden, genauer gesagt als dicker Landstreicher. Wie haben Sie sich dabei gefühlt?

Großartig! Es war toll. Und ich war sehr enttäuscht, dass diese Szene so kurz war. Ich hätte gern noch mehr daraus gemacht. Ich bin in den Drehpausen in dieser Verkleidung durch Los Angeles gelaufen, und Passanten haben die Straßenseite gewechselt, weil sie Angst vor mir hatten. Ich habe meine Mutter besucht. Und sie hat sich so erschrocken. Sie rief um Hilfe, und ihr Blutzuckerspiegel sank so sehr, dass sie beinahe kollabiert wäre. Dabei hatte ich mich doch nur hinter einem Baum in ihrem Garten versteckt. Das war ein Spaß. Ich habe mir dann überlegt, wen ich noch erschrecken könnte. Aber ich hatte leider keine Zeit mehr.

Nach "Frida" haben Sie mir erzählt, Sie möchten erst einmal keine Frauen spielen, die sexy sind. In diesem Film sind Sie definitiv wieder sexy. Haben Sie Ihre Meinung geändert?

Nicht die Rollen sind sexy, die ich spiele. Ich bin es. Was soll ich also machen? Ansonsten: Ich wollte einfach etwas machen, was nicht so anstrengend ist. Einen Samstagabendfilm für das große Publikum, den ich nicht selbst produzieren muss. Einen guten kommerziellen Film. Ich wollte einfach nur spielen. Und es war wunderbar. Wie Urlaub. Außerdem hat mir die Rolle gefallen. Ich glaube, viele Frauen können sich in diesem Film mit mir identifizieren.

Weil Sie als Meisterdiebin Diamanten lieben und rauben?

Nein. Und jetzt hören Sie mal genau zu: Weil ich versuche, den Mann meines Lebens davon zu überzeugen, sich mit mir zur Ruhe zu setzen und ihn bitte, seinen Lebensstil für mich zu ändern. Das ist doch viel schwieriger als jeder Diamantenraub.

Sagen Sie das aus eigener Erfahrung?

Aus eigener Erfahrung, aus der Erfahrung meiner Freundinnen, der meiner Mutter, aller Frauen. Aber soll ich ganz ehrlich sein? Der einzig wahre Grund diesen Film zu machen war, drei Monate auf den Bahamas zu sein und zu tauchen. Umsonst. Und dazu stehe ich. Soll ich so ein Angebot etwa ablehnen? Sogar meine Hunde konnte ich mitbringen. Ich konnte Pierce Brosnan küssen und wurde noch dafür bezahlt. Was für ein großartiger Beruf.

Woran liegt es, dass Frauen bereit sind, ihr Leben für einen Mann zu ändern, während Männer sich umgekehrt sehr schwer damit tun?

Das müssen Sie mir erzählen. Ich glaube, wir Frauen haben nicht so große Angst vor Veränderungen. Während Männer häufig Furcht vor dem Unbekannten haben. Frauen nehmen mehr Chancen im Leben wahr. Und jetzt muss ich Sie leider enttäuschen, mein Liebling. Sie müssen ganz stark sein: Die Frauen ändern sich gar nicht für euch. Sie ändern sich für sich selbst. Wir sind einfach etwas mutiger und freier. Aber anderseits gibt es auch jede Menge Frauen, für die es zur Obsession geworden ist, die Erwartungen zu erfüllen, die die Gesellschaft an sie stellt. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Werden Sie sich nach Ihrem bezahlten Urlaub jetzt wieder einem anstrengenden, anspruchsvollen Projekt widmen?

Ich versuche es. Aber es ist gar nicht so einfach etwas zu finden. Ich bin eine abenteuerlustige Person. Doch so ein Projekt wie "Frida" kann ich nicht noch einmal machen. Ich will mich nicht wiederholen. Dazu ist das Leben zu kurz. Und ich lerne immer gerne etwas Neues.

Haben Sie in Ihrem Leben jemals etwas gestohlen?

Nein. Leider nicht. Finden Sie mich jetzt sehr langweilig?

Was würden Sie gerne stehlen? Was wäre das Risiko wert?

Ein Herz! Das ist der beste Diebstahl, den ich mir vorstellen kann.

Das eine oder andere haben Sie doch bestimmt schon gestohlen.

Ja, es sind einige. Das ist meine ganz spezielle Privatsammlung.

Wie sieht es mit Ihrem Herzen aus?

Das wurde auch schon gestohlen. Aber ich habe es mir jedes einzelne Mal zurückgeholt.

Können Sie einer Versuchung widerstehen?

Für große Versuchungen habe ich eine Strategie. Ich stürze mich in diese Versuchung, lasse aber ein Teil von mir zurück, als neutralen Beobachter, wenn Sie so wollen. Und wenn es eine schlechte Erfahrung war, lasse ich für immer die Finger davon.

Wie sind Sie so weise geworden?

Ich versuche nur, weise zu sein. Und Sie glauben gar nicht, wie oft meine tollen Strategien nicht funktionieren. Oft genug verbrenne ich mir die Finger. Immer wieder. Aber trotzdem lerne ich jedes Mal etwas.

Sie haben einmal gesagt, der Traum Ihres Lebens seien ein Haus, ein Hund und ein Mann. Haben sich Ihre Prioritäten mittlerweile geändert?

Ich habe meine Farm mit Hühnern und Pferden. Ich habe inzwischen fünf Hunde. Eigentlich habe ich immer noch den selben Traum. Er ufert nur immer mehr aus, was die Tiere angeht jedenfalls. Mit den Männern ist es komplizierter. Einen habe ich ja gerade verloren. Aber dafür habe ich einen neuen Welpen bekommen.

Das Gespräch führte Christian Aust.

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Die Mexikanerin in Hollywood // Salma Hayek, 38 Jahre alt, kam nach einer Fernsehkarriere in ihrem Heimatland Mexiko 1991 in die USA, um in Hollywood zu arbeiten. Nach kleineren Auftritten in TV-Produktionen engagierte Robert Rodriguez sie für seinen Film "Desperado", später auch für "Four Rooms" und "From Dusk Till Dawn".

Von feurigem Temperament soll die Schauspielerin sein, die Tiere liebt und Zigarren. Berühmt wurde sie, als sie die Malerin Frida Kahlo in "Frida" spielte. In der Action-Komödie "After the Sunset" ist sie die Meisterdiebin Lola Burdette, Kollegin und Gattin von Max Burdette (Pierce Brosnan).

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Foto: Salma Hayek spielt eine Meisterdiebin. Privat stiehlt sie nur Herzen.