Fast fünfzehn Jahre ist es her, dass die deutsche Variante des realexistierenden Sozialismus implodierte. In kürzester Zeit schaffte es die westdeutsche Bundesrepublik, dem Osten seine Kultur überzustülpen. Doch letztes Jahr erwachte die alte DDR wieder zu neuem Leben. "Good Bye, Lenin!" lud ins Kino, die "Kunst in der DDR" in die Neue Nationalgalerie und mehrere Shows vor die Glotze. Ostalgie nannte man das damals. Nun aber, nahezu unerwartet, gehen auch die Westdeutschen ihrer Identität zunehmend verlustig. Karstadt schließt zahlreiche Pforten, der Quelle-Katalog wird abgeschafft. Wo sonst konnte man noch eine so reale Reise in die guten alten Zeiten antreten? Das ist nun vorbei. Somit bleibt auch den Wessis nur der Blick in die Flimmerkiste. Wenn Thomas Gottschalk heute Abend zum inzwischen 150. Mal zu "Wetten, dass ...?" bittet, kann man die alte Bundesrepublik noch in nahezu perfekter Reinkultur erleben. Da hilft es auch nicht, dass der Regierende Bürgermeister sich zum Co-Moderator aufschwingt. Denn der kommt auch aus dem Westen - wie die Gummibärchen.