In Berlin hat der Vietnamese Tran Van Hai bereits einen guten Namen. Zumindest bei den Liebhabern von Shushi gilt der experimentierfreudige Autodidakt als feste Größe, denn die serviert er seit vier Jahren erfolgreich in seiner "Kabuki Shushi Bar"am Olivaer Platz: Roher Fisch, eingepackt in eine knusprige Brotkruste, aufgepeppt mit einer speziellen Sojasauce und gefüllt mit Frischkäsecreme oder Gurkenscheiben anstelle von Seegras zum Einwickeln von Reis und anderen Füllungen - unbefangen bricht Mr. Hai mit den japanischen Sushi-Traditionen und folgt seinem ureigenen Geschmack. Das geht so weit, dass Sushi für ihn nicht gezwungenermaßen kalt zubereitet werden müssen - heiße Sushi kann man in Berlin wohl nur bei Mr. Hai kennen lernen.
Mutig ist das schon, was sich der seit 1988 in Berlin lebende Tran Van Hai hier erlaubt, doch die Berliner Gourmet-Fraktion belohnt solche Experimente - immer vorausgesetzt, sie gehen auf - mit ausgeprägter Treue. Und so kann sich Mr. Hai über einen verlässlichen Kreis von Stammkunden freuen. Für diese, aber auch für alle anderen Liebhaber der vietnamesischen Küche, hat er im Mai dieses Jahres am Savignyplatz sein zweites Restaurant eröffnet: "Mr. Hai & Friends". Die "Freunde" sind für Mr. Hai in diesem Falle nicht etwa irgendwelche Kollegen, mit denen er das neue Restaurant betreibt, sondern tatsächlich meint er damit alle Gäste, die sein Restaurant besuchen und die er hier mit original vietnamesischer Küche verwöhnen möchte.
Dafür legt er sich mächtig ins Zeug: Froschschenkel Tempura (in einem Teigmantel aus Weizenmehl, Ei und Wasser werden die Froschschenkel schnell in heißem Öl ausgebacken) und ein frischer Salat aus asiatischen Gemüsen (6,80 Euro), gehackte Garnelen-Bällchen mit Zitronengras (6,80 Euro) oder gegrillter Tintenfisch, gefüllt mit gehacktem Schweinefleisch, Garnelen, geschabtem Fisch, Morcheln und Glasnudel (5,20 Euro) - um nur drei der nicht zu scharf gewürzten und ausgesprochen schmackhaften Vorspeisen zu nennen.
Sie sind so reichlich bemessen, dass sie bei kleinem Hunger allemal ausreichen. Unbedingt probieren sollte man eine der zahlreichen Nudelsuppen, die es hier in kleiner Ausführung als Vorspeise (um die fünf Euro), aber auch als Hauptgang (11,50 Euro) gibt; sie werden angeboten mit den üblichen Variationsmöglichkeiten Fisch, Fleisch, Huhn und Ente. In Vietnam pflegt man eine ausgeprägte Suppenkultur und schätzt die "Großen Suppenschalen" als beliebtes Familienessen. Sie werden nicht einfach in sich hineingelöffelt - zuallererst atmet man den Duft, nimmt ein wenig von der Brühe und gibt dann Sojakeime und frische Kräuter wie Koriander und Basilikum hinzu. Zum Schluss kommt noch etwas Hoi Sin-Soße darüber und dem Genuss steht nichts mehr im Wege.
Wir heben ihn uns für ein anderes Mal auf und widmen uns lieber dem knusprig gebratenen Perch-Fisch (14,50 Euro), der - eindrucksvoll drapiert - auf einer Chili-Knoblauch-Soße serviert wird. Der imposante Fisch liegt nicht etwa auf der Seite auf dem Teller, sondern er steht bäuchlings darauf, was dadurch erreicht wird, dass man das Fleisch rechts und links von der Gräte abgelöst hat, um es dann, zu einem Bogen geformt, als Stütze zu nutzen. Der Fisch hat durch diese optische Extravaganz jedenfalls keinen Schaden genommen: Sein Fleisch ist weiß und zart und ergänzt sich wunderbar mit der leicht süßlichen Soße. Überhaupt scheint sich die vietnamesische Küche eher der Süße als der Schärfe verpflichtet zu fühlen. Viel Ananas kommt zum Einsatz, Litchee und Kokosmilch. Wer möchte, kann sein Gericht zusätzlich mit der hauseigenen Nuoc mam Soße würzen, einer vietnamesischen Fischsoße, deren Rezept Mr. Hai von seiner Mutter hat, die es von ihrer Mutter hat, die von ihrer und so weiter. Tradition wird groß geschrieben bei "Mr Hai & Friends", und deshalb heißt im Eingangsbereich auch ein großes Gemälde vom Ur-Ur-Ur-Großvater des Restaurantbesitzers alle Freunde willkommen.
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Mr. Hai & Friends
Adresse:
Savignyplatz 1, Charlottenburg, Telefon: 37 59 12 00.
Öffnungszeiten:
täglich ab 12 Uhr.
Karten: ec-Karte