Nachdem sich der Deutsche Journalisten Verband (DJV) am Freitagabend auf einem außerordentlichen Verbandstag definitiv von seinen Landesverbänden in Berlin und Brandenburg getrennt hat, ist kurz darauf in der Bundespressekonferenz in Berlin ein neuer Journalisten-Verein gegründet worden. Noch am Freitagabend konstituierte sich das Netzwerk "Berliner Journalisten" als Verein. Die neue Berliner Organisation der Medienvertreter sei der "designierte neue Landesverband des DJV", teilte der Verein Berliner Journalisten am Wochenende mit. Ein ähnlicher Schritt ist in Brandenburg für das kommende Wochenende geplant.
Auf dem außerordentlichen Verbandstag in Frankfurt am Main folgten 243 von 284 Delegierten dem Antrag der Bundesspitze um den DJV-Vorsitzenden Michael Konken, den Berliner Landesverband "wegen verbandsschädigenden Verhaltens" mit sofortiger Wirkung" auszuschließen. Mit einer ähnlich deutlichen Abstimmung (244 von 269 Stimmen) wurde anschließend die Trennung von der Brandenburger Sektion befürwortet. Konken zeigte sich anschließend "nicht erleichtert über das Verfahren", sah aber den "Mut zum Neuanfang".
Den Wahlgängen war eine kontroverse, sechsstündige Diskussion vorangegangen. Im Zentrum standen wie schon in den Vorwochen massive Vorwürfe von Wahlmanipulationen und "Wahltourismus" in beiden Landesverbänden. Hinzu kam aus Sicht der DJV-Spitze der begründete Verdacht, dass längst nicht mehr allein das Kriterium zählte, hauptberuflich tätige Journalisten aufzunehmen. Anlass zur Besorgnis gab darüber hinaus die dubiose Vergangenheit des stellvertrendenden Brandenburger Landesvorsitzenden Torsten Witt.
Auch wenn die bisherigen Landesvorstände in Berlin und Brandenburg sämtliche Vorwürfe als "konstruiert" zurückwiesen und sich rechtliche Schritte gegen die Bundesbeschlüsse vorbehalten, ist der formale Bruch nun vollzogen und der Weg frei für eine gewerkschaftliche Neu-Organisation und mehr Glaubwürdigkeit innerhalb des DJV.
Auf der Gründungsversammlung des Vereins Berliner Journalisten, an der etwa 20 bisherige Mitglieder des DJV-Berlin teilnahmen, wurde Gerhard Kothy (RBB) zum ersten Vorsitzenden und Christine Kolmar zur Stellvertreterin gewählt. Beide hatten vehement für mehr Transparenz und einen Neuanfang im DJV Berlin plädiert.
Leicht wird der Aufbau einer schlagkräftigen Organisation allerdings auch Kothy nicht fallen, der an diesem Montag mit dem DJV-Bundesverband über das weitere Vorgehen beraten will. Denn der ausgeschlossene Berliner Landesverband um seinen Vorsitzenden Alexander Kulpok umfasst noch knapp 3 900 Mitglieder, juristische Auseinandersetzungen um das Erbe sind programmiert. Und viele Fragen sind noch offen, etwa, wie es mit der Berliner Journalistenschule weitergeht, die vom DJV Berlin betrieben wurde. Auch das Ausstellen und Verlängern von Presseausweisen wird nicht mehr zu den Aufgaben des bisherigen Vorstands gehören. Zudem dürften der Berliner Presseball und die traditionellen Spargelessen in Zukunft ausfallen.
Klären will Kothy, wie er der Berliner Zeitung sagte, dass sich für haupberuflich tätige Journalisten der Übertritt in den neuen Verein "möglichst unbürokratisch" gestaltet. Kothy sagte, er rechne damit, dass der Verein spätestens im Herbst in den DJV aufgenommen werde. Dieser habe bereits ideelle und materielle Unterstützung zugesagt.
Nun bleibt abzuwarten, wie sich die bisherigen Mitglieder des Berliner DJV-Landesverbandes verhalten, die das Prozedere um den Ausschluss teilweise mit Entsetzen und Empörung registrierten.
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Foto: Gerhard Kothy leitet den neuen Verein.