Textarchiv

Marktplatz der Manufakturen

In der früheren Rinderauktionshalle werden bald Handwerksprodukte verkauft

Stefan Strauss

PRENZLAUER BERG. Noch kann man sich nur schwer vorstellen, dass in naher Zukunft bis zu 15 000 Besucher täglich in die alte Rinderauktionshalle an der Eldenaer Straße kommen sollen. Die riesige Halle auf dem ehemaligen Schlachthofgelände ist verfallen und steht seit fünf Jahren leer. Sie ist 212 Meter lang und 72 Meter breit - eine architektonische Seltenheit in der Größe zweier Fußballfelder.

Bis Ende 2005 soll das denkmalgeschützte Gebäude in historischem Stil zu einer Manufakturen- und Markthalle umgebaut sein. 18 Millionen Euro will die Architektengruppe Trojan+Trojan investieren. Handwerker, kleine mittelständische Unternehmen und Zunftbetriebe sollen später dort unter einem Dach ihre Waren anbieten. "Die Kunden sollen sehen, wie die Waren hergestellt werden und den Handwerkern bei der Arbeit zuschauen", sagt Christoph Hinderfeld von der Zunft AG aus Mannheim. Das Unternehmen will die Halle nach dem Umbau betreiben.

In drei Bereiche wird die Zunfthalle unterteilt: In der südlichen Manufakturenhalle werden etwa 50 Handwerkerbetriebe und kleine Unternehmen Stände mieten: Porzellanhersteller, Schuhmacher, Glasbläser, Restauratoren und Textildesigner. Sie arbeiten vor den Augen der Besucher. Im mittleren Teil wird eine Speisehalle eingerichtet, in der etwa 600 Gäste Platz haben. Dort sind auch Abendveranstaltungen geplant. Im Delicum werden Delikatessen verkauft, es gibt ein Café und eine Bar. Der nördliche Teil wird eine Markthalle. Dort verkaufen Händler regionale Produkte, es gibt einen Weinhändler aus Nürnberg und einen Bio-Supermarkt.

Doch nicht nur zum Einkaufen sollen die Besucher in die Zunfthalle kommen. Kochkurse und Weinseminare werden angeboten. Wichtig ist den Betreibern, dass traditionelle Herstellungsverfahren und Handwerkertraditionen erhalten bleiben und bekannt gemacht werden. "Alle Mieter verpflichten sich, einmal im Jahr ihr Wissen über ihren Handwerkerberuf an die anderen Nutzer der Halle weiterzugeben", sagt Christoph Hinderfeld. Zu den künftigen Mietern gehört auch Andreas Langholz, Inhaber von Coledampf's. In seinen beiden Läden in Charlottenburg und Prenzlauer Berg werden Küchen- und Kochgeräte verkauft. Nach einem Jahr Bedenkzeit hat sich der Geschäftsmann entschieden, sich in der Zunfthalle einzumieten. "Wenn es eine Chance gibt, Handel und Handwerk unter einem Dach zusammenzuführen, dann hier."

------------------------------

Eine Seltenheit // Der Berliner Schlachthof wurde 1880 auf der Grundlage der Hygienevorschriften Rudolf Virchows gebaut. Der Architekt Hermann Blankenstein entwarf die Rinderauktionshalle. 320 gusseiserne Säulen tragen die bis zu zwölf Meter hohe Eisenkon- struktion.

Die Rinderauktionshalle ist eine architektonische Seltenheit: Nach dem Abriss des Crystal Palace in London gibt es an vergleichbaren Bauten nur noch das La Villette in Paris und die Viehhofbauten St. Marx in Wien.

------------------------------

Foto: Viel Glas, viel Licht: Das Modell zeigt, wie die Zunfthalle auf dem Alten Schlachthofgelände aussehen soll.