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Dumm wie Stulle

Jean Reno und Gérard Depardieu sind "Der Killer und die Klette"

Wolfgang Fuhrmann

Dieser Film erzählt die schönste nichtschwule Liebesgeschichte unter Männern seit langem: "Ruby & Quentin - Der Killer und die Klette" zeigt, dass die Franzosen auch die besseren Buddy-Movies machen können. Gérard Depardieu ist Quentin, ein hoffnungslos unbegabter Kleinkrimineller. Zu Beginn versucht er, eine Wechselstube zu überfallen, die ihm leider, nach dem Besuch eines finanzkräftigen japanischen Touristen, nur noch Yen offerieren kann. Nach einem bizarren Dialog ("Ich will aber französische Euro!" - "Der Yen steht gerade sehr günstig") wird Quentin zu einer Bankfiliale weiter unten die Straße geschickt und prompt geschnappt, als er sich nach vollbrachter Tat in einem Kino zu verstecken versucht. Es läuft gerade der Eiszeit-Zeichentrickfilm "Ice Age", und Quentin enthüllt sofort seine kindliche Seele: Lachend nimmt er Platz, lachend lässt er sich verhaften, und lachend entkommt er noch einmal kurzfristig der Staatsgewalt, weil er den Film gerne weitersehen möchte.

Im Gefängnis treibt Quentin einen nach dem anderen seiner Mitinsassen mit seinen bescheuerten Monologen in den Wahnsinn ("Ich kannte mal einen Afrikaner von den Antillen"); das psychiatrische Fachurteil bescheinigt ihm, "dumm wie Brot" zu sein. Dann macht Kommissar Vernet (Richard Berry) dem Gefängnisdirektor einen Vorschlag: Man soll Quentin mit dem Killer Ruby in eine Zelle stecken; der schweigt nämlich hartnäckig, während er im Geheimen seinen Ausbruch und einen Rachefeldzug gegen den Gangsterboss Vogel plant, und Quentin soll ihn aus der Fassung bringen. Jean Reno spielt Ruby; und schöner, verstockter, kaltblütiger als er kann keiner schweigen. Als Quentin es nicht einmal mit dem irrwitzigsten Blödsinn (den epischen Bericht seines gescheiterten Versuchs, eine Spinne zu dressieren) gelingt, Ruby aus seiner Trappisten-Reserve zu locken, entdeckt er in ihm den Freund seines Lebens: "Ich vergöttere Pferde, und du hast Pferdeaugen. Du hast Augen wie ein Gaul".

Eines Nachts träumt Quentin, er habe gemeinsam mit Ruby ein Bistro in seinem Heimatstädtchen Montargis aufgemacht: "Die beiden Freunde" soll es heißen. Von nun an hat Quentin ein Ziel. Ein Ziel hat, wie gesagt, auch Ruby, und fortan bezieht der Film seine Mechanik daraus, wie die beiden und ihre Zielvorstellungen in Konflikt kommen: Ruby will ausbrechen, aber ohne Quentin; Quentin will ausbrechen, aber nur mit Ruby; Ruby will Vogel erschießen, Quentin will ihn daran hindern; Ruby möchte allein arbeiten, Quentin möchte, dass er im Bistro an der Kasse sitzt.

Regisseur Francis Veber hat für Klassiker wie "Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh", "Die Filzlaus" und "Ein Käfig voller Narren" die Drehbücher verfasst, und "Ruby & Quentin" denkt im Grunde nur das Erfolgsschema der "Filzlaus" weiter, wo dem genervten Profikiller (Lino Ventura) der suizidgefährdete Jacques Brel nicht von der Pelle rücken wollte. Aber wie bei P. G. Wodehouses Geschichten aus dem Leben des leicht verblödeten britischen Hochadels genießt man auch hier den Aufguss mit ebenso großem Vergnügen wie das Original, weil die Sache so gut gemacht ist: Die Dialoge - über weite Strecken eher Monologe Quentins - sind ausgesprochen komisch, und die Handlung wird wunderbar lakonisch erzählt. Die Vorgeschichte von Rubys Rachsucht etwa benötigt nur drei kurze Szenen: Er und Vogels Freundin Katia (Leonor Varela) haben sich ineinander verliebt, verabschieden sich mit einem Kuss und werden dabei von Vogels Männern gefilmt. Schnitt. Vogel (dem Jean-Pierre Malo die herrlich fiese Visage leiht) fragt Katia, wo sie gewesen sei, und sie lügt ihm etwas vor. Schnitt. Katias Leiche wird im Plastiksack im Wald von Vogels Männern beerdigt. C'est tout - nicht auszudenken, was im bereits geplanten amerikanischen Remake daraus gemacht werden könnte!

Dass, wie in jedem Buddy-Movie, die anfänglich starr entgegengesetzten Charaktere sich einander allmählich sentimental annähern, ist unausweichlich, und natürlich stören die Frauen dabei. Ruby ist nicht so verbissen einzelgängerisch, wie er sich zunächst gibt, und Quentin nicht so bescheuert, wie sein Gequatsche und seine Frisur wirken. Angesichts der letzten Einstellungen wird ihm jeder Zuschauer eine gewisse Intelligenz bescheinigen.

Ruby & Quentin - Der Killer und die Klette F/I 2004. Buch & Regie: Francis Veber. Nach einer Idee von Serge Frydman. Darsteller: Jean Reno, Gérard Depardieu, André Dussollier, Richard Berry, Leonor Varela, Jean-Pierre Malo u. a.; 85 Minuten, Farbe.

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Foto: (2) Jean Reno (r.) zu Gérard Depardieu: Gib meine BiFi wieder her!

Wenn ich alles aufesse, bekomme ich dann auch einen Einlauf, Herr Doktor?