In der Pause kommen die Autogrammjäger. Sie warten geduldig, bis sie an der Reihe sind, erst bei Martin Hohmann, dann bei Reinhard Günzel. Voller Stolz tragen sie schließlich ihre Kostbarkeiten davon: doppelsignierte Fotos, die die beiden Männer in glücklicheren Tagen zusammen zeigen. Den Bundestagsabgeordneten, der vor einem halben Jahr wegen einer verquer nationalistischen Rede von der Unionsfraktion ausgeschlossen worden war, und den General, der wegen seiner Solidaritätsbekundungen mit Hohmann wenig später entlassen wurde.
Es ist das erste Mal seit dem Doppelskandal vom Herbst, dass diese beiden Männer gemeinsam auftreten. An diesem Sonnabend, im Logenhaus in Berlin-Wilmersdorf, können sich Hohmann und Günzel sicher sein, nicht als Ausgestoßene behandelt zu werden. Bei diesem eigentümlichen Kameradschaftstreffen werden sie als Helden gefeiert, als aufrechte Zeitgenossen und schuldlose Opfer von politischer Korrektheit und politischer Feigheit.
Sehr dankbar sei er für die Unterstützung, sagt Hohmann nach dem Anfangsapplaus. Der Mann, der lieber die Reden im Bundestag verpasst, als auf seinem Einzelstuhl jenseits der Unionsfraktion Platz zu nehmen, wärmt sich am Zuspruch. Er berichtet, dass er sich weiter wehre gegen den Ausschluss aus der CDU, möglicherweise bis hin zum Bundesverfassungsgericht. Und er beharrt darauf, dass selbst die Professoren ihm nichts Falsches hätten nachweisen können in jener Rede, in der er sagte, die Juden könnten mit derselben Berechtigung ein Tätervolk genannt werden wie die Deutschen.
Der Saal ist dicht besetzt, die Stuhlreihen ziehen sich bis ins Foyer. Vor allem Männer sind gekommen, einige Jüngere tragen die Bänder von studentischen Verbindungen. Im Publikum sitzen Koryphäen der rechten Szene wie der Historiker Ernst Nolte und der frühere Berliner Innensenator Heinrich Lummer. Als der Chefredakteur der "Jungen Freiheit" in den Saal fragt, wer zu seinen regelmäßigen Lesern gehöre, schießen Hunderte von Armen in die Höhe.
"Wir haben einen Zeitgeist, der geprägt wird von politischer Korrektheit. Wir müssen noch ein bisschen ausharren, ein bisschen mehr leiden", sagt Hohmann zum Abschluss seiner kurzen Rede. "Wir müssen auf Ausdauer und Geduld setzen und auf solche informellen Strukturen, wie wir sie hier haben. Von hier geht ein Impuls aus."