Das türkische Kulturfest vom Sonnabend wird überschattet von einem Eklat, der sich im VIP-Zelt am Brandenburger Tor ereignet hat. Die Berliner SPD-Abgeordnete Dilek Kolat ist von zwei Security-Männer massiv bedrängt worden, während auf dem Platz des 18. März zehntausende Menschen fröhlich feierten. "Sie sagten, sie hätten den Auftrag, mich sofort aus dem Zelt zu entfernen", sagte Kolat gestern. Hintergrund ist offenbar, dass ihr Mann Kenan Kolat Geschäftsführer des Türkischen Bundes ist. Die Organisation hatte sich in der Vergangenheit kritisch über das Fest geäußert. Es sei zu nationalistisch und nicht auf Integration ausgerichtet, lautete der Vorwurf.
Marsch durch die Innenstadt
Kolat hatte das VIP-Zelt mit ihrer Einladung zunächst ohne Probleme betreten können. Kurze Zeit später seien aber die beiden Männer aufgetaucht. Nachdem sie die Frage, ob sie die Frau von Kenan Kolat sei, bejaht hatte, wollten sie die Männer aus dem Zelt drängen. Sie hätten eine entsprechende Anweisung. "Die beiden sind sehr massiv geworden, haben mir auch körperliche Gewalt angedroht." Kolat will Strafanzeige erstatten. "Das war Nötigung." Vertreter des staatlichen türkischen Fernsehens und des Organisationskomitees hätten die Situation schließlich entschärft. Kolat blieb im Zelt.
Bis gestern Nachmittag war nicht klar, wer den Auftrag, Kolat aus dem Zelt zu bringen, gegeben hat. Der Sprecher der Organisatoren Suat Bakir sagte, dass niemand vom Komitee die Anweisung gegeben habe. Er bedauerte den Vorfall. "Ich habe mich bereits bei Frau Kolat entschuldigt."
Nach den Worten Kolats gibt es offenbar unter den am Fest beteiligten Organisationen "extremistischere Gruppen", die es sich trauen, gegen eine Abgeordnete vorzugehen. Das seien "nicht unbedingt demokratische Kräfte". Sie habe am Fest teilgenommen, weil sie das friedliche Motto "Wir sind Europäer" unterstützen wollte. Doch die Kritik des Türkischen Bundes sei offenbar richtig, sagte sie.
Vor allem der Marsch in historischen Gewändern wird vom Bund kritisiert. Solche Märsche wirken nach den Worten Safter Cinars, Sprecher des Türkischen Bundes, nicht integrativ. Auch das Meer aus mehreren hundert türkischen Fahnen wurde von Besuchern als befremdlich bezeichnet. Das Bühnenprogramm wurde bis auf wenige Ausnahmen auf Türkisch moderiert, deutsche Besucher blieben Zaungäste.
"Es waren zu wenige Deutsche unter den Besuchern", sagte Suat Bakir. Offenbar hat die Information über die Veranstaltung nicht alle erreicht. Im nächsten Jahr soll sich einiges ändern, "wir wollen auch deutsche Vereine in das Fest einbeziehen". Außerdem werde übernächste Woche mit der Planung für das 2005 geplante Fest begonnen. "Unser Ziel muss es sein, dass das Publikum jeweils zur Hälfte aus Türken und Deutschen besteht."
Özcan Mutlu, Berliner Abgeordneter der Grünen, sieht das Fest daher auf dem richtigen Weg. Er hat sich erstmals daran beteiligt, weil es von jüngeren organisiert wurde, "die mit dem Kopf in Deutschland sind". Und auch der Integrationsbeauftragte Günter Piening meint, dass das Fest Zukunft hat. "Es ist Ausdruck dafür, dass man in Berlin präsent ist", sagte er. Von einem nationalistisch geprägten Fest könne keine Rede sein. Im Gegenteil. "Das ist doch ein schöner Standortfaktor."
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Foto: Zelebrierte einen osmanischen Marsch: die Janitscharen-Gruppe aus Wedding.
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Foto: Dilek Kolat ist für die SPD im Parlament.