MITTE. "Wenn unsere Idee hier nicht funktioniert, dann nirgends in Berlin", sagen Renate und Eckhard Stark. Sie sind die ersten Geschäftsleute, die in den umgebauten und modernisierten Rathauspassagen einen Laden aufmachen. Eröffnungstermin: 2. Mai. Ein Sonntag. Zeitungen und Tabakwaren wollen sie verkaufen, dazu Geschenkartikel wie Gläser und Teller, Berlinsouvenirs, Ansichtskarten und Postkarten mit Holografien. Und sie sind überzeugt davon, dass mit diesem Sortiment und dem Lottoladen ihr Start in die Selbstständigkeit erfolgreich sein wird. "Das hier ist doch eine exponierte Lage - Fernsehturm, Marienkirche und Rotes Rathaus bilden ein tolles Panorama", sagen die Starks. Deshalb haben sie sich auch gegen Kudamm und Friedrichstraße und für die Rathauspassagen entschieden.
Wie die Beiden sind derzeit viele Geschäftsleute dabei, Läden in den Rathauspassagen auszubauen. 25 Geschäfte sind vermietet. Die Post kehrt fast genau an ihren alten Platz zurück, auch das Modegeschäft Liberty wird wieder an die Rathausstraße ziehen. Künftig werden Kosmetikläden, Boutiquen sowie mehrere Restaurants vertreten sein. Einen einheitlichen Eröffnungstermin - zunächst sollte er Ostern sein, dann wurde er auf Wunsch der Händler auf Anfang Mai verschoben - gibt es jedoch nicht. "Wir hätten gern zentral eröffnet", sagt Susanne Schmidt, Sprecherin der WBMI, einem Tochterunternehmen der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM). Doch wegen der verschiedenen Ausbauzeiten für die Geschäfte ließe sich das nicht machen. Im Sommer sollen die Passagen dann aber mit einem großen Fest eingeweiht werden.
Auch Michael Kayser zieht in die Passagen. Seine alte Apotheke in Cottbus hat er verkauft und will am 4. Mai in Berlin neu beginnen: "Meine Kinder leben in Berlin. Ich wollte schon lange herziehen." Und weil es praktisch ist, hat der Neu-Berliner im 11. Stock der Passagen auch gleich eine Wohnung gemietet. "Als ich das meinen Bekannten erzählte, haben sie leuchtende Augen gekriegt", sagt der 61-Jährige. Denn die Passagen hatten schon in der DDR einen guten Ruf. Dort gab es unter anderem ein großes Exquisit-Modegeschäft, den Schuh-Salon Hans Sachs sowie zahlreiche Gaststätten und Bars. Kayser glaubt, dass "der Traditionsstandort wieder von den Kunden angenommen wird". Darauf setzt auch Existenzgründerin Katharina-Dorothee Ganskow. Bis Mitte Mai will sie ihren Laden Parafino mit Kerzen und Geschenkartikeln fertig haben. "Es gibt viel Laufkundschaft, und die Lage ist einfach günstig", sagt sie.
Vorerst zieht nur ins Erdgeschoss wieder Geschäftsleben ein. Die knapp 11 000 Quadratmeter darüber werden wohl noch einige Wochen leer bleiben. Die wollte der Kaufhauskonzern Wal-Mart nutzen, hatte aber Ende Dezember den Mietvertrag gekündigt. "Wir wissen, dass Wal-Mart nicht einziehen will", sagt Susanne Schmidt. In den Verhandlungen geht es jetzt um die Auflösung des 15-jährigen Vertrages und daraus resultierende Schadensersatzforderungen. Wal-Mart äußert sich dazu nicht.
Neu vermieten will die WBM die einstige Wal-Mart-Fläche am liebsten an ein Unternehmen aus dem Lebensmittelbereich. Gelingt dies, stehen die Branchen für die letzten beiden leeren Flächen im Erdgeschoss auch fest: Elektronik/Technik sowie Schuhe/Textilien.
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25 Geschäfte sind vermietet // Die Rathauspasssagen: Die Gebäude mit drei Gewerbeetagen und dar-über liegenden Wohnetagen wurden zwischen 1967 und 1973 in Plattenbauweise errichtet. Es gibt 360 Wohnungen. 1971 eröffnete dort das erste Bowlingcenter in der DDR. Wohnungen und Fassaden wurden Mitte der 90er-Jahre saniert.
Der Umbau: Die Wohnungsbaugesellschaft Mitte WBM modernisiert seit 2002 die Gewerbeetagen in den Passagen. Die Fläche wird von 19 000 auf 25 000 Quadratmeter erweitert. Kosten: 50 Millionen Euro. Zuvor waren immer wieder Umbaukonzepte gescheitert. Entweder fehlten Investoren - unter anderen zog sich die Landesbank zurück - oder es konnten keine Mieter für die Flächen gewonnen werden.
Die neuen Geschäfte: Für 25 Läden hat die WBM Mieter. Dazu gehören unter anderen Lush-Kosmetik, Ulla Popken - junge Mode ab Größe 42, Rossmann, Parafino - Wohnaccessoires, TUI-Reisebüro, Friseur, Vodafone-Shop, Apotheke, Dunkin Donuts, Bäckerei Thürmann, ein italienisches Restaurant Piazzo Rosso sowie weitere Restaurants.
Die Parkhäuser: An der Grunerstraße wurden zwei neue Parkhäuser für rund 20 Millionen Euro errichtet. Sie bieten 600 Autos Platz. Das Parken kostet einen Euro pro Stunde.
Die Rathausstraße: Seit Herbst 2003 baut der Bezirk vor den Passagen in der Rathausstraße einen Abschnitt des Europaradweges. Die Arbeiten dort haben sich verzögert und werden voraussichtlich Ende Mai abgeschlossen.
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Foto (2): Viel Platz zum Handeln: Noch sind die Rathauspassagen leer, doch ab Mai belebt sich der Standort wieder.
Drehwurm: die Auffahrt im neuen Parkhaus Grunerstraße. Eine Stunde Parken kostet einen Euro.