Wir trinken was wir pinkeln" oder "Wir rollen sitzend in den Tod" und "Die Natur braucht uns nicht, aber wir brauchen die Natur" - ein Jahr lang konnten die Sprüche von Ben Wargins Weltbaumgalerie an der Brandschutzwand am S-Bahnhof Savignyplatz ihren Sinn nicht erfüllen: Die S-Bahnfahrer über das Verhältnis von Mensch und Natur zum Nachdenken anzuregen. Während der Bauarbeiten an der Stadtbahnstrecke wurden die 30 Bilder- und Spruchtafeln abgehängt. Und weil der Zahn der Zeit und zahlreiche Graffiti-Schmierereien den Emaille-Tafeln stark zugesetzt hatten, wurden sie in der Hauptwerkstadt der S-Bahn von Ben Wargin gereinigt und wieder in Stand gesetzt. Auch die Brandschutzmauer wurde von Schmierereien befreit. Am Freitag hängte der Öko-Aktionskünstler, gekleidet mit olivgrüner Hose und Kordsakko und grasgrüner Kittelschürze und Schirmmütze, im Rahmen einer kleinen Feier die Tafeln und 16-Original-S-Bahn-Türen aus den dreißiger Jahren wieder auf.
Schüler der Klasse 6d der kunstbetonten Neuköllner Regenbogen-Grundschule ergänzten das Programm mit einer Inszenierung zum Thema "Sprache und Natur". Der 74-jährige Ben Wargin steht mit der Schule schon seit elf Jahren in Verbindung. Er stellte den Schülern die Aufgabe, sich über die Zusammenhänge von Schrift und Bäumen, Buchstaben und Elementen Gedanken zu machen. Die Schüler präsentierten am Schluss ihrer Aufführung mit Buchstaben auf Holzbrettern Ben Wargins Spruch "Der Baum bist du", ergänzt um die Worte: "Sind wir."
Die von Wargin installierte Weltbaumgalerie, an der auch Joseph Beuys mitgewirkt hatte, gehört seit 1986 zum festen Bestandteil am S-Bahnhof Savignyplatz. Unter dem Weltenbaum von Siegfried Rischar, der in die Brandwand eingearbeitet wurde, regen Bilder von Künstlern wie Frida Kahlo, Gernot Bubenik, Günter Grass und Heinrich Richter und Sprüche von Dichtern wie Friedrich Schiller, Bertold Brecht, Ernst Jünger und natürlich von Wargin zum Nachdenken über unseren Umgang mit der Umwelt an. Es ist geplant, die S-Bahn-Aufseher mit Zetteln auszustatten, die über die Weltbaumgalerie informieren sollen.
Baumpate Wargin hat in den letzten Jahren mehrere Kunstprojekte gemeinsam mit der S-Bahn gemacht. "Es gibt eine enge Symbiose zwischen Wargin und der S-Bahn", sagte Heinrich Hinz, Geschäftsführer der S-Bahn. Der Umweltgedanke stehe schließlich auch bei der S-Bahn im Vordergrund.
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Foto: Ben Wargin hängt die letzte S-Bahn-Tür auf. Jetzt ist die Weltbäumegalerie wieder komplett.