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Hasch mich, Papa Staat!

"Der bayerische Rebell" zeigt einen Kiffer, der sich in seinem Verfolgt-Sein behaglich eingerichtet hat

Peter Uehling

Einen Film über einen Menschen mit Charakterstärke wollte Andi Stiglmayr machen. Der bayerische Liedermacher Hans Söllner schien ihm dafür geeignet, das sei einer, "den man heute selten trifft". Es spricht für die Objektivität von Stiglmayrs Film, dass man danach auch denken kann: Gott sei Dank trifft man so einen heute selten. Söllner hat ein Ziel und ein Problem. Das Ziel: Haschrauchen soll legalisiert werden. Das Problem: Die Tatsache, dass es nicht legal ist, treibt ihn zu Äußerungen, die ihm nicht ganz zu Unrecht Prozesse wegen Ehrverletzung eintragen. Söllner empfindet das als ungerecht, weil es angesichts des Unrechts in der Welt doch ziemlich egal sei, ob er den bayerischen Innenminister Beckstein als Krähenkot bezeichnet habe oder nicht. Und damit setzt die unendliche Geschichte ein: Prozesse, Protestsongs, Hausdurchsuchungen, weitere Protestsongs.

Söllner sei ein "unpolitischer Mensch", sagt sein Verleger. So einfach kann man das wohl kaum sagen. Wir sehen Söllner in der Tat meist im privaten Rahmen, er philosophiert über das Haschrauchen, das tolerant und offen, den Blick weiter und breiter mache, er spricht über die Repressionen, denen er ausgesetzt ist und deren Gründe er lächerlich findet. Es sei doch kein Unterschied, ob ein Innenminister beleidigt werde oder ein Landwirt. Dass sich der Hallraum seiner Auffassungen über die Grenze des Privaten hinaus ins Öffentliche erweitert und verbreitert hat, bemerkt Söllner - wahrscheinlich dank Hasch-verursachter Blickerweiterung und -verbreiterung - nicht mehr.

Das Private ist politisch und umgekehrt: Stiglmayrs Film zeigt nicht, dass der Konflikt abseits dieses öden Schemas zu verstehen ist, und das gibt dem Geschehen ein muffiges Aroma. Die Parteien Staat und Söllner stehen sich unproduktiv gegenüber und reagieren immer gereizter. Der Staat brummt Söllner eine noch nie dagewesene Strafe von 75 000 DM wegen Ehrbeleidigung auf; Söllner zeigt seinem Publikum den nackten Hintern und zündet sich vor laufenden Kameras einen Joint an: Seht mal, ich breche wiederholt das Gesetz und bekomme immer höhere Strafen, Mann, ist der doof, der Staat! Was soll das bringen? Das Desinteresse Söllners an einer Arbeit am Staat zeigt sich in Äußerungen wie der, dass man mal "den Stecker" vom Staat herausziehen und ganz neu anfangen müsste. Mag ja sein, aber das kann man nun mal nicht.

Stiglmayr zeigt, wie sich einer in seinem Verfolgt-Sein behaglich einrichtet: Das Verfolgt-Werden gibt Söllner überhaupt erst Kontur, der Kindheitstraum, der "Stärkste, Beste und Klügste" zu sein, wird wahr, wenn ihm die Fans zujubeln und einer sogar sagt, Söllner hätte dank seines unleugbaren Charismas das Zeug zu einem "Führer". Wenn schon solche Formulierungen fallen, könnte man auch fragen, ob es nicht ein Zeichen für das Funktionieren eines Staates ist, dass so jemand beobachtet wird. Ob das Hin und Her von Provokation und Abstrafung dem Erreichen des Ziels (siehe oben) dient, ob es gar das Etikett der Charakterstärke verdient, oder ob es nicht eher ein schlagender Beweis dafür ist, dass sich der positive Einfluss von Marihuana auf die Wahrnehmung der Umwelt in Grenzen hält. Wer sich nicht zu Söllners Fans zählt, wird nach Stiglmayrs Film der zweiten Ansicht zuneigen.

Der bayerische Rebell - Hans Söllner Dtl. 2004. Buch & Regie: Andi Stigl-mayr, Kamera: Axel Kindermann. Dokumentarfilm; 92 Minuten, Farbe.

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Foto: Hans Söllners Welt-Sicht: Hanfgrün ist die Haselnuss, hanfgrün bin auch ich.