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Guru aus Detroit

Wladimir Klitschko vertraut sich Trainer Steward an

Stefan Osterhaus

BERLIN, 7. April. Die Nacht zum Sonntag in Las Vegas hält eine sonderbare Erfahrung für Fritz Sdunek bereit. Er wird zwar, wie sonst auch, dabei sein, wenn sein Boxer Wladimir Klitschko in den Ring steigt. Er wird seinem Boxer Wasser reichen, wie sonst auch, und er wird ihn aufmuntern in den Ringpausen. Wie immer eben. Doch er wird den eingeschlagenen Kurs im Seilgeviert nicht mehr korrigieren können.

Der Trainer Fritz Sdunek ist seines Kommandos entbunden worden - ganz offiziell. Nur noch die körperliche Verfassung seines Schützlings interessiere ihn noch, sagt Sdunek. Er versucht, überzeugend in seinen Sätzen zu klingen. Doch sein Tonfall verrät: Nichts weiter als die körperliche Verfassung hat ihn zu interessieren. Ausgerechnet ihn, der einst beide Klitschko-Brüder zu Weltmeister-Gürteln im Schwergewicht führte.

Denn Wladimir Klitschko hat vor seinem WM-Kampf gegen Lamon Brewster um den WBO-Gürtel (Sonntag, 3.10 Uhr im ZDF) den Trainer gewechselt und Fritz Sdunek auf den quasi kompetenzfreien Rang des Konditionstrainers versetzt. "Das ist ein ganz normaler Vorgang", sagt Sdunek. Auch das klingt pflichtschuldig.

An Sduneks Stelle ist ein Mann getreten, dem ein Ruf wie Donnerhall vorauseilt: Emanuel Steward. Er tummelt sich an vielen Orten, doch amtlich gemeldet ist er in Detroit. Dort betreibt er das Kronk-Gym, ein Sammelbecken für Champions: Evander Holyfield, Lennox Lewis, Oscar de La Hoya, selbst Graciano Rocchigiani schlug dort gegen Pratze und Sandsack. Steward formuliert einprägsame Sätze: "Heart is the only thing you can't teach" - du kannst einem Boxer alles beibringen, nur den Kampfgeist nicht. Sein Credo, unausgesprochen, doch unmissverständlich: Du sollst keine anderen Trainer neben mir haben.

Der Trainer Steward ist ein Mann mit implantiertem Lautsprecher. Dabei nimmt er es mit den Tatsachen nicht sehr genau. Er vermeldet wie selbstverständlich, dass er nun auch Wladimirs Bruder Witali, einen weiteren Titelkandidaten, trainiere. Das ist geschwindelt. Witali rückt keinen Millimeter von seinem Trainer ab. Der heißt Fritz Sdunek.

Fliegende Wechsel sind im Preisboxen nicht ungewöhnlich. Doch die transatlantische Kooperation birgt Risiken für beide Seiten. Hatte Sdunek nicht angemahnt, dass das Duell mit Brewster womöglich die letzte Chance des Ukrainers ist? Viel Zeit bleibt dem neuen Trainer und dem Boxer nicht mehr, einander kennen zu lernen. "Das ist ein Stil, den Steward noch nie trainert hat. Ein taktisch boxender Ukrainer, das ist etwas anders als offensive Latinos." Das sagt Jean-Marcel Nartz, der Technische Leiter im Universum-Boxstall, der die Klitschko-Brüder vertritt. Denn ob der Trainerwechsel Trainers Erfolg zeitigt, ist nicht bloß eine Sache der Taktik und Technik. Nartz ortet die Misslichkeiten an ganz anderer Stelle: "Die Frage ist, ob er ihm mental weiterhelfen kann. Und da hat Wladimir nach seiner schweren K.o.-Niederlage gegen Corrie Sanders enorme Probleme."

Mehr als ein Jahr liegt das Festival der Niederschläge zurück, aus dem Klitschko reichlich versehrt hervorging. Den Beleg, sich vollständig regeneriert zu haben, blieb er schuldig. Nicht ein ernsthafter Kontrahent kreuzte seinen Weg. Hinzu kamen noch allerlei andere Unstimmigkeiten. Seitdem sich die Brüder Klitschko im Rechtsstreit mit Universum um die Dauer ihrer Verträge befinden, werden die Töne aus dem Boxstall ungewöhnlich deutlich: "Will ich einen Coach oder einen Medientrainer?", fragt Sprecher Christoph Rybarczyk.

Stewarts Motive sind durchaus eigennütziger Natur: Seitdem Lennox Lewis seinen Rücktritt erklärt hat, steht er ohne einen Schwergewichtler mit Perspektive da, und was ist einer wie Steward schon ohne Schwergewichtler. Er ist auf Klitschko angewiesen, mehr als dieser auf ihn. Am Erfolg des Ukrainers hängt auch sein Ruf: "Er geht ein hohes Risiko ein", sagt Jean-Marcel Nartz. Und er bündelt seine Skepsis gegenüber dem Guru aus Detroit: "An Wladimir kann er beweisen, ob er wirklich der beste Trainer der Welt ist, wie er selbst sagt."

Doch was wird geschehen, wenn Klitschko den Rivalen Brewster nicht bezwingen kann? Sdunek weiß es nicht. Doch eines ist sicher: Der Trainer Stewart würde das Feld räumen, freiwillig. Auch das ein Vorgang, der ganz normal wäre.

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"Wladimir muss seine Größe besser nutzen." Trainer Emanuel Steward

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Foto: Riskanter Wechsel: Wladimir Klitschko vor dem Duell mit Lamon Brewster.