AUFERSTEHUNG
Ein Stück Berliner Geschichte kehrt zurück, ein Stück, das freudvoll auf die Zukunft gerichtet ist, und eine Wiederentdeckung dazu. Carl Heinrich Graun machte sich einst, zur Zeit Friedrichs II., um Berlin verdient. Er war nicht nur Hofkapellmeister des Monarchen, der Preußen so richtig nach vorn brachte. Er setzte auch ein Libretto des Königs in Töne, als der den Schönheiten der Künste noch ebenso intensiv zugetan war wie den Affären der großen Politik. Grauns Passionsoratorium wurde in Berlin noch bis in die jüngere Vergangenheit als Alternative zu den alle Jahre wiederkehrenden Bach-Passionen in petto gehalten und aufgeführt. Dass der langjährige getreue Musikmeister des alten Fritz auch ein Osteroratorium hinterlassen hatte, war selbst Experten bis vor einigen Jahren unbekannt. Werke über die Auferstehung sind in der Musikgeschichte ohnehin dünner gesät als solche über das Leiden Christi, obwohl der Tod Jesu für die zahllosen nachfolgenden Generationen nicht von anhaltendem Interesse geblieben wäre, wenn der Nazarener nicht ins Leben zurückgekehrt und so für alle, die an ihn glaubten, die Allmacht und Selbstverständlichkeit des Todes gebrochen hätte.
Grauns Osteroratorium war verschollen, vergessen. Nun wurde es vor kurzem gefunden und identifiziert, in Beständen, die eine abenteuerliche Odyssee von Braunschweig über Thüringen nach Bonn hinter sich hatten. Inzwischen wurde es auch neu herausgegeben und damit für Aufführungen verfügbar gemacht. An den Ostertagen feiert das Werk in der Philharmonie seine Auferstehung aus der historischen Versenkung. Der RIAS Kammerchor und das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin führen es unter der Leitung von Reinhard Göbel auf.
Der RIAS Kammerchor legt seit vielen Jahren einen Schwerpunkt seiner Arbeit auf die historische Aufführungspraxis Alter Musik. Für eine Darstellung des Graunschen Oratoriums, die sprachliche Deutlichkeit mit eindringlicher Phrasierung und transparentem Klang zusammenbringt, ist er geradezu prädestiniert. Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin, das seinen Schwerpunkt im romantischen, modernen und zeitgenössischen Repertoire setzt, hat in den letzten Jahren regelmäßig mit erfahrenen und exponierten Vertretern der historischen Aufführungspraxis gearbeitet. Reinhard Goebel, Gründer und Leiter der Musiqua antiqua Köln, legte seinen Schwerpunkt auf die Interpretation der Musik rund um die Ära Johann Sebastian Bachs. Mit der Stilistik Grauns ist er bestens vertraut. Man könnte dem Alt-Berliner Komponisten und seinem Osteroratorium kaum eine bessere Wiedererweckung wünschen.
WIEDERBEGEGNUNG
Nach Ostern ermöglicht das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin das Wiedersehen mit einem Künstler, der in der Stadt wichtige Positionen innehatte. Rafael Frühbeck de Burgos war Generalmusikdirektor der Deutschen Oper Berlin sowie Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin (1994-2000). Nun kehrt er als Gastdirigent zu dem Orchester zurück, mit dem er in Berlin und auf Tourneen viele Erfolge feierte - mit einem Programm ganz nach seinem Geschmack: Beethovens sprühende Freiheitssymphonie und Ravels Ballettmusik über die Liebe rahmen Rachmaninoffs letztes Klavierkonzert, das im Schatten seiner drei Vorgänger, vor allem des zweiten Klavierkonzerts, blieb.
Am 17. April setzt der Chefdirigent des RSB, Marek Janowski, die Reihe "Klangbrücken" fort. Er schlägt sie zwischen Joseph Haydn und seinen Pariser Symphonien auf der einen, Paul Hindemith und seinen Kammermusiken auf der anderen Seite. Das Orchester spielt den Werken entsprechend in kleiner Besetzung und erschließt ein Repertoire im Grenzgebiet zwischen Kammermusik, Sinfonik und Solokonzert. Mit Ewa Kupiec und Wolfgang Emanuel Schmidt wurden zwei exzellente Solisten gewonnen. Das Konzert findet in einem Raum statt, der oft als musikalisches Labor dient: im Großen Sendesaal im Haus des Rundfunks an der Charlottenburger Masurenallee.
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin/RIAS Kammerchor Musikal. Leitung: Reinhard Goebel; mit Silvia Weiss (Sopran), Franziska Gottwald (Alt), Marcel Beekmann (Tenor) und Berthold Possemeyer (Bass); Carl Heinrich Graun: Osteroratorium "Siehe, es hat überwunden der Löwe" (Erstaufführung); 11. & 12. April, 20 Uhr (Philharmonie, Großer Saal), 19 Uhr Einführung.
KLANGBRÜCKEN Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin Musikalische Leitung: Marek Janowski; mit Andreas Willwohl (Bratsche) und Ewa Kupiec (Klavier); Joseph Haydn: Sinfonie Nr. 84 Es-Dur Hob I:84, Sinfonie Nr. 85 B-Dur Hob I:85; Paul Hindemith: Kammermusik Nr. 5 für Bratsche und Kammerorchester op. 36/4, Kammermusik Nr. 2 für Klavier und 12 Solo-Instrumente op. 36/1. 17. April, 16 Uhr (Haus des Rundfunks, Gr. Sendesaal).
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin Musikalische Leitung: Rafael Frühbeck de Burgos; mit Lylia Zilberstein (Klavier); Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 7 A-Dur op. 92; Sergei Rachmaninow: Konzert für Klavier und Orchester Nr. 4 g-Moll op. 40, Maurice Ravel: Daphnis et Chloé - Suite Nr. 2. 24. April, 16 Uhr, und 25. April, 20 Uhr (Konzerthaus, Großer Saal).
Kartentelefon: (030) 20 29 87 10, www. roc-berlin. de.
Foto: Rafael Frühbeck de Burgos dirigiert Beethoven, Rachmaninow und Ravel.