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Farbe macht Architektur

Die Architektin Hilde Léon baute am Spreeufer den Sitz des Sozialverbandes Deutschland

Frank Peter Jäger

Was ein bisschen Farbe so ausmacht: Rot-orange Sonnenrollos, blaue Pylone oder saftig grün leuchtende Fensterfassungen wie beim neuen Haus des Sozialverbandes Deutschland - besser bekannt unter seinem traditionellen Namen "Reichsbund der Kriegsopfer e.V." - führen vielleicht doch noch dazu, dass die zeitgenössische Architektur auf die lange entbehrte Gunst des breiten Publikums stößt. Dieses ist bisher überwiegend der Meinung, Architekten liebten nur schmucklose, kantige Kästen aus Beton, Glas und Werksteinplatten.

Am Spreeufer hingegen zeigt die Berliner Architektengemeinschaft Léon Wohlhage Wernik nun ein anderes Modell: Die tiefen Fensterlaibungen des achtgeschossigen, auf dem offenen Gelände zwischen Stadtbahnviadukt und Spreeufer errichteten Bürohauses leuchten in fünf Tönen des grünen Spektrums, von Schwefelgelb bis zu einem maritimen Grünblau. Grün sind auch die vertikalen, zentimeterdicken Schwerter aus Glas, welche die Fenster vertikal teilen.

Indem Hilde Léon und ihr Mitarbeiter Jochen Menzer die Fenster flächenbündig in die Fassade fügten, unterstreichen sie deren monochrome Flächigkeit. Denn die Wandflächen sind Lavafarben, verdunkeln sich bis fast zum Schwarz.

Um diesen Effekt zu erreichen, ließen die Architekten auf die Betonfertigteile ein Gemisch aus dunkel eingefärbtem Beton und grob gemahlenem Granit putzen. Die poröse Oberfläche glitzert in der Sonne und wird von einem asymmetrischen Fugennetz durchzogen. Im Erdgeschoss, dort, wo der Eingang zur Stralauer Straße liegt, ist ein großes Stück aus diesem Kubus herausgeschnitten - "die Kiste skulptural aushöhlen" nennt Léon diese Entwurfsmethode.

Innen empfängt das Foyer mit einer sieben Meter hohen Halle, zeigt souverän das Wechselspiel von aus dem Gebäude herausgeschnittenen und in ihm hervortretenden Volumen. Das überzeugt bis ins Detail: Nahtlos sind die Leuchtkörper in die Decke eingelassen, die Wände sind leuchtend farbig, sorgfältig wurden die hölzernen Einbauten eingepasst. Angesichts des so gelungenen Ganzen fragt man sich, was die Architekten geritten hat, vor den Dachwohnungen - die für Gäste des Reichsbundes und seine Mitarbeiter gedacht sind - in den oberen zwei Etagen eine Verkleidung aus stählernen Gitterrosten anzubringen. Dieser Gitterkäfig soll für eine homogene Fassade sorgen und vor Sonne schützen. Vor allem aber ist er unansehnlich, passt in seinem wehrhaften Duktus nicht zum sanften Dunkel des Korpus, mit seinen weichen Linien.

Viel einladender ist dagegen das Restaurant, das im Parterre an der Spreeseite des Hauses eingezogen ist - eine gepflegte Uferterrasse suchte man an diesem Abschnitt der Spree bisher vergeblich. Hier gibt die neue Architektur den Passanten ein Stück Stadt zurück.

Foto: Das neue Haus des Sozialverbandes Deutschland - besser bekannt unter dem traditionellen Namen "Reichsbund der Kriegsopfer e. V. "