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Rückschlag für Arbeitsmarktreform

Größter PSA-Betreiber Maatwerk meldet in Deutschland Insolvenz an Rund 10 000 Beschäftigte betroffen / Bundesagentur kündigt Verträge

Thorsten Knuf, Matthias Loke

BERLIN, 16. Februar. Die Bemühungen der Bundesregierung zum Umbau des Arbeitsmarktes haben einen empfindlichen Dämpfer erlitten. Am Montag stellte der größte Betreiber der Personal-Service-Agenturen (PSA), die Deutschland-Tochter des niederländischen Personaldienstleisters Maatwerk, Insolvenzantrag beim Amtsgericht Hamburg. Die PSA versuchen, Erwerbslose über Zeitarbeit wieder in feste Jobs zu bringen. Sie sind das Kernstück der Hartz-Reformen. "Das ist ein herber Rückschlag", sagte ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit (BA) der Berliner Zeitung.

Lizenz abgelaufen

Maatwerk betreibt rund 200 von insgesamt 1 000 PSA. Von der Insolvenz sind 9 500 PSA-Beschäftigte und 600 Mitglieder der Stammbelegschaft betroffen. In Berlin erhielt das Unternehmen bei 19 von 45 Agenturen den Zuschlag, gut die Hälfte aller 2 600 Berliner PSA-Beschäftigten entfallen auf Maatwerk.

Wie der BA-Sprecher der Berliner Zeitung weiter sagte, verfügte Maatwerk bereits seit dem 9. Februar nicht mehr über die notwendige Lizenz zum Verleih von Arbeitnehmern. Die Zulassung sei abgelaufen, dass Unternehmen habe sich aber in den vergangenen Tagen auch nicht um eine Erneuerung bemüht. Ohne Lizenz sei aber auch die rechtliche Grundlage für die PSA-Verträge entfallen. "Wir haben die örtlichen Arbeitsagenturen deshalb aufgefordert, die Verträge fristlos zu kündigen", sagte der Sprecher.

Den betroffenen PSA-Kräften rät die Bundesagentur, sich umgehend bei ihren Arbeitsberatern arbeitslos zu melden und einen Antrag auf Insolvenzgeld zu stellen. Die Behörde werde versuchen, die Kräfte so schnell wie möglich in neue Stellen oder in andere PSA zu vermitteln. Wahrscheinlich müssten die örtlichen Arbeitsagenturen jetzt im großen Stile ihre PSA neu ausschreiben. "Das kann bis zu drei Monate dauern", sagte der Sprecher.

In Kreisen der Zeitarbeitsbranche hieß es am Montag, man habe die Firma Maatwerk seit ihrem Einstieg ins PSA-Geschäft kaum wahrgenommen. Offenbar habe sie sich nur zurückhaltend und mit mäßigem Erfolg um Aufträge von Entleihbetrieben bemüht. Maatwerk ist seit 1996 in Deutschland tätig. Gegründet wurde das Unternehmen 1991 in den Niederlanden, in dem der Zeitarbeits-Sektor eine sehr große Rolle spielt. Das Wort Maatwerk heißt auf Deutsch Maßarbeit.

Erwartungen nicht erfüllt

Bei Arbeitsmarktexperten hieß es, dass die Branche über die Pleite möglicherweise "nicht unglücklich" sei. Immerhin sei ein großer Wettbewerber vom Markt. In den Hartz-Konzepten über die PSA sei ein solch großer Insolvenzfall eines Betreibers "nicht vorgesehen", hieß es weiter.

Die Hartz-Kommission zum Umbau des Arbeitsmarktes hatte ursprünglich große Hoffnungen in die PSA gesetzt. Kerngedanke der Agenturen ist, dass sich Arbeitslose durch einen zeitlich begrenzten Einsatz im Entleihbetrieb ohne Risiko für den Arbeitgeber für eine neue Festanstellung empfehlen können. Erklärtes Ziel der Bundesagentur für Arbeit war im vergangenen Jahr, rund 50 000 Arbeitslose in die PSA zu entsenden. Ende Januar war dieses Ziel immer noch nicht erreicht. Die PSA beschäftigten 31 700 Mitarbeiter, davon 19 800 in den alten Bundesländern.

Foto: Dämpfer für Jobsucher: Der Personaldienstleister Maatwerk muss in Deutschland Konkurs anmelden.