Textarchiv

Der zweite Versuch

Ein Verein hat große Pläne für den Müggelturm - und auch einen Investor

Karin Schmidl

KÖPENICK. Gut Ding will eben Weile haben, sagt Ulrich Peickert. Der Köpenicker Architekt hat in den vergangenen neun Jahren fünf Konzepte für das Müggelturm-Areal erarbeitet. Keines wurde verwirklicht, weil die Investoren absprangen. Jetzt liegt Peickerts sechster Entwurf vor. Sein Auftraggeber ist diesmal der Förderverein Müggelturm. Die rund 300 Mitglieder machen sich stark für das einstige Ausflugsziel im Berliner Südosten. Und diesmal sieht es so aus, als bestünde für den Müggelturm eine reale Chance. Denn der Verein hat mehr als nur Ideen.

"Wir haben das Konzept mit einem Interessenten abgestimmt, der glaubt, dass sich dort zu investieren lohnt", sagt Gabriele Eichner, die Vereinschefin. Wer dieser Investor ist, möchte sie noch nicht sagen. Doch die 48-jährige Unternehmerin weiß genau, was sie will: "Der Müggelturm muss wieder zu einem Flaggschiff für den Ausflugsverkehr werden. " Die 45 Jahre alten Gaststätten am Fuße des berühmten Berliner Aussichtsturms sind seit Jahren zu und drohen einzustürzen.

Die Planung für das 6 000 Quadratmeter große Areal sieht den Abriss und einen Neubau vor. Gastronomie wie gehabt soll es dort geben, dazu ein kleines Hotel mit 50 Zimmern, Seminarräume, eine Bowlingbahn und einen Biergarten. Anstelle der Betonfläche ist ein Garten mit Pool geplant. Im Innenhof des insgesamt viergeschossigen Komplexes könnte ein Hoftheater entstehen, in dem auch der Hauptmann von Köpenick seine Auftritte haben soll. Über zwei Etagen hat Architekt Peickert zudem einen Wellnessbereich mit Mini-Therme vorgesehen. Und im Dachgeschoss, über der Bar, ist ein Terassengarten mit Kamin geplant. Die hügelige Landschaft der Müggelberge wird in die Planung integriert: Viele Parkplätze und die Bowlingbahn sollen im Berg angelegt werden. Peickert: "Und weil das Waldgebiet dort sehr sensibel ist, planen wir mit ökologisch unbedenklichen Baustoffen sowie einer Wasseraufbereitungs- und einer Solaranlage. " Im Gespräch sei man auch mit einem Berliner Fernsehsender, der dort ein Studio einrichten könnte, so Fördervereinschefin Eichner.

Anfang März soll das Müggelturm-Gelände vom Liegenschaftsfonds erneut zum Kauf ausgeschrieben werden. Ein erster, europaweiter Versuch war im vergangenen Jahr gescheitert, auch an zu strengen Umweltauflagen. Vom Bezirk, der den Müggelturm gern wieder belebt sehen möchte, wurde deshalb ein Bebauungsplan erstellt, der Investoren größere Spielräume gestattet. Im Förderverein ist man optimistisch. Vereinschefin Eichner: "Bei durchschnittlich 250 bis 300 Besuchern pro Tag und einer Investition von neun Millionen Euro wäre das Projekt wirtschaftlich. "

Das Denkmal // Der erste Müggelturm stammt aus dem Jahr 1889, er war 27 Meter hoch und in Form einer chinesischen Pagode gebaut. Der Wäschereibesitzer Julius Spindler ließ den Turm mit Gaststätte errichten. 1958 brannte der Holzturm ab.

1959 wurde der Grundstein für den Neubau gelegt. Dafür waren über 120 000 Mark gesammelt worden, viele Berliner leisteten freiwillige Aufbauarbeit.

Der neue Müggelturm ist 29 Meter hoch und aus Stahlbeton. Die benachbarten Gaststätten sind seit Jahren geschlossen.

Der Turm ist ein Denkmal und bleibt stehen, alles andere soll neu gebaut werden, sagt der Förderverein.

www. foerderverein- mueggelturm. de.

BLZ/WULF OLM 50 Kilometer weit kann man sehen vom Turm.

MODELL: FÖRDERVEREIN