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HINWEISE

Im Gedankengang durch die Landschaft

Uta Beiküfner

Mit einem "gut gefügten Gehirn", das sich nicht durch Poesie durcheinanderbringen ließ, philosophierte einst René Descartes. Mit einem "babylonischen Hirn", das sich nicht durch Wissen durcheinanderbringen lässt, dichtet heute Durs Grünbein. In dem Langgedicht "Vom Schnee" versucht er, den begrifflichen Rationalismus Descartes in lyrische Bilder zu übertragen. Verstehen im cartesianischen Sinne setzt voraus, dass sich der Verstehende in einem leeren Raum befindet. Bei Grünbein löscht der Schnee des Jahres 1619 die Landschaft aus. In dieser Leere porträtiert er den Philosophen als jungen Mann, der nicht aus den Federn kam und in einer deutschen Winterbutze seinen Gedanken nachhing.

"Antike raunt" durch diese Zeilen, ebenso "Barock", der Dreißigjährige Krieg geht um und bäuerische Szenen werden in Breugelscher Manier eingefangen. Auch eine dörfliche Romanze findet statt mit Tuscheln, Lachen, Stöhnen. Grünbein erfindet heftige Dialoge und findet deftige Bilder. Wo aber schießen diese über den Begriff hinaus? Sinnlich lässt sich "weiß" nicht nur als "leer" erfahren, "weiß" ist zugleich auch "kälter", und "kälter ist nun ein Adjektiv wie älter, reifer und genauer". Nicht was der Philosoph verstand, versteht nun der Dichter, sondern wie jener verstehen konnte: Im Sehen der Ochsen, Schafe, Schweine, die schwarz auf weißem Grunde stehen, im Bewusstwerden der Blase, die drückt, des Kreuzes, das juckt, im Gedankengang durch die Landschaft. Dann kommt das Ende, gnadenlos, Gespräch bei Tisch: "Da schwamm es hin, ihr All, in einer Pfütze Bratensauce".

Durs Grünbein: Vom Schnee oder Descartes in Deutschland. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2003. 144 S., 19,90 Euro.

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