Sicher, der Film setzt auf Rührung. Ein kleines Mädchen mit großen, traurigen Augen, die Eltern kamen bei einem Autounfall abhanden, fahndet auf dem Weihnachtsmarkt nach einem neuen Papa. Warum sie sich ausgerechnet den Ballonverkäufer als Erziehungsberechtigten auswählt, ist nicht so ganz klar. Vielleicht, weil er eine lustige rote Weihnachtsmütze trägt oder so prima Ballons aufblasen kann. Natürlich weiß Oliver, so heißt der Mann mit den Ballons und der Zipfelmütze, nichts von seiner Bestimmung. Wortlos folgt ihm das Mädchen auf Schritt und Tritt und bis in seine Wohnung, weshalb er sie der Einfachheit halber Klette nennt. Folgerichtig lautet der Titel auch "Ein Vater für Klette".
"Es ist ein kleiner, aber feiner Familienfilm zur Weihnachtszeit", befindet Muriel Baumeister, die neben Wunschpapa Heio von Stetten als schöne Nachbarin zu Werke geht. Klein stimmt, fein stimmt auch, denn Autor und Regisseur Peter Kahane hat seinen Weihnachtsfilm für die ganze Familie sehr liebevoll geschrieben und inszeniert. Mit viel, viel Herz, aber nie sentimental.
"Ich schäme mich überhaupt nicht, in einem Film mitzuspielen, der kein weltbewegendes Drama ist, sondern auf Gefühle baut", sagt Muriel Baumeister und dass sie den Film mag, "weil er ehrlich ist und nicht vorgibt, mehr zu sein". So.
Bessere Rollen in besseren Filmen
Die 31-jährige Salzburgerin gibt nicht gern Interviews. Nicht mehr, muss man sagen, denn es gab Zeiten, da tauchte sie regelmäßig in den bunten Blättern auf. Bereits mit 15 Jahren und noch während ihres Abiturs stand sie für die Serie "Ein Haus in der Toskana" vor der Kamera, 1990 spielte sie in "Wohin die Liebe fällt" die Tochter von Klausjürgen Wussow, es folgten Auftritte in "Der Alte", "Derrick", im "Landarzt" oder den "Eurocops". Muriel Baumeister wurde als "die Fernsehentdeckung" gefeiert, die Vergleiche reichten bis zur jungen Romy Schneider.
Anfang der Neunziger, Muriel Baumeister war noch keine 20, kamen bessere Rollen in besseren Filmen. Bernd Schadewalds "Schuld war nur der Bossa Nova" etwa oder ihr Kinodebüt "Der Brocken" unter der Regie von Vadim Glowna. Als sie mit 21 Jahren den Theaterschauspieler Rainer Strecker heiratete und Sohn Linus bekam, war sie bereits eine der gefragtesten Nachwuchsschauspielerinnen.
Doch der rasche Ruhm hatte seinen Preis. Ihr Image des hübschen, blonden, blauäugigen Teenagers, von Muriel Baumeister anfangs mit kecken Sprüchen durchaus befördert, geriet allmählich zur Bürde. Sie war auf die Rolle abonniert, auch Auszeichnungen wie der Telestar oder die Goldene Kamera brachten nur gelinde Änderung. Statt des lieben Töchterchens spielte sie nun wie 1994 in der Rosamunde-Pilcher-Verfilmung "Wilder Thymian" die junge Geliebte.
Dabei hat sie nichts unversucht gelassen, um das lästige Image loszuwerden. Sie hat oft und laut über das Schubladendenken der Produzenten und Regisseure geklagt, zum Drehtermin für die Krimi-Serie "Einsatz Hamburg Süd" erschien sie mit raspelkurzen Haaren und ließ ihre Kommissarin ganz oft "Scheiße" rufen. Im Kinofilm "Alles nur Tarnung" hat sie eine Gangsterbraut mit Silberzahn gespielt, in "Berlin - Moskau" wurde sie von der Russen-Mafia verschleppt, auch im Sat-1-Thriller "Die Entführung" hockte sie die meiste Zeit gefangen und verheult in einem Keller. Muriel Baumeister zählt noch das Missbrauchsdrama "Meine Tochter darf es nie erfahren" zu einem ihrer wichtigsten Werke.
Doch obwohl das allesamt gute Filme mit einer guten Muriel Baumeister sind, ist sie den meisten Zuschauern aus eher belanglosen Stoffen bekannt. Als leukämiekranke Tochter in dem Melodram "Mutter, ich will nicht sterben!", oder als "Die Versuchung" eines katholischen Priesters. Aus Filmen, die "Ich liebe den Mann meiner Tochter" heißen, "Der Mann, den sie nicht lieben durfte" und "Die Frau, die einen Mörder liebte". Filme, deren Inhalt man schnell vergessen hat und die nur durch ihr Spiel noch erinnerlich blieben.
Familie ist ihr wichtig
Der letzte dieser Sorte Film lief erst vor wenigen Wochen auf Sat 1 und hieß "Nur Anfänger heiraten". Eine Komödie, in der sich Muriel Baumeister als Hochzeitsmanagerin in den Bräutigam verliebt. Romantische Geschichte, schöne Bilder, wieder so ein Film mit viel Gefühl. Und einer tollen Quote. "Na und?", entgegnet sie, "es macht doch Spaß, wenn viele Leute zuschauen. Ich spiele ja nicht für mich allein." Und überhaupt müsse sie sich nicht mehr beweisen und sei "nicht so ein Planer, der sagt, mit 35 musst du das und das erreicht, mit diesem oder jenem Regisseur zusammengearbeitet haben". Und nein, als sonderlich ehrgeizig würde sie sich nicht bezeichnen. Nicht mehr. Aber das sagt sie nicht.
Dafür sind andere Dinge wichtig geworden. "Familie, die Gewissheit, jemanden zu haben, auf den ich mich verlassen kann", sagt Muriel Baumeister, die mit 23 Jahren an einer lebensgefährlichen Gehirnentzündung erkrankte, zu Hause der zweijährige Sohn. So etwas verschiebt die Maßstäbe.
Auch in ihrer Berufsausübung ist Muriel Baumeister gelassener geworden und erwartet nicht mehr, "dass mich alle mögen und alle verstehen". Mittlerweile kommt sie sogar ohne die vielen Empfänge, Galas und Premierenfeiern, in denen sich die Fernsehbranche gern eitel bespiegelt, glänzend aus. "Mich ständig zu präsentieren, ist mir zu anstrengend", sagt sie. "Und es steht ja auch in keinem Vertrag, dass man da hingehen muss." Wichtiger ist ihr, dass sie von anderen nicht mehr erwartet als von sich selbst. "Das heißt, auch mal die Schnauze halten können."
Muriel Baumeister scheint zufrieden mit sich. Vielleicht ist das das Wichtigste.
Ein Vater für Klette; 20.15 Uhr, ARD
Frühe Karriere und schwere Krise // Muriel Baumeister wurde 1972 in Salzburg geboren. Noch während ihrer Schulzeit trat sie in der Serie "Ein Haus in der Toskana" auf. Ein Studium der Sozialpädagogik brach sie ab, um sich der Schauspielerei zu widmen.
Anfang der 90er-Jahre spielte sie in zahlreichen Serien und Fernsehfilmen ("Derrick", "Morlock") sowie dem Kinofilm "Der Brocken" von Vadim Glowna.
Eine lebensbedrohliche Krankheit überstand Muriel Baumeister im Jahre 1995. Im Beruf versuchte sie anschließend, sich vom früheren "Jungmädchen-Klischee" zu lösen. Sie trat in Krimis und TV-Thrillern auf.
Mit dem Schauspielerkollegen Rainer Strecker hat Muriel Baumeister einen Sohn. Sie wohnt in Berlin. Das Paar lebt inzwischen getrennt.
ARD Eine Mutter für Klette: Muriel Baumeister grübelt über ihre neue Rolle.