Galeriebesucher stehen verdutzt vor wandhohen Gemälden vom Papst, dem 261. in der Geschichte der Katholischen Kirche. Und auch Freunde der Malerin Cornelia Schleime wundern sich. Wieso setzte die im DDR-Atheismus aufgewachsene, renitente, dafür 1984 ausgebürgerte Ostberlinerin erst Nonnen auf ihre Leinwände, und macht nun auch noch Johannes Paul II. zum Modell? Gab dessen Amtsjubiläum den Anstoß? Oder was sonst brachte die Malerin auf die merkwürdige Idee? Die Papstmaler der Kunstgeschichte jedenfalls hatte sie nicht im Sinn. Keinen Tizian, der 1543 Paul III. verewigte. Auch nicht Velazquez, der hundert Jahre später Innozenz X. mit stechendem Blick und im auratisierenden Profil darstellte. Auch Francis Bacons 1951 gemaltes, dämonisch aufgeladenes Zitat dieses Velazquez-Werkes war nicht Vorbild.
"Ich wollte meinen eigenen Papst malen", sagt Schleime, "den Wojtyla hinter der Ordenstracht, um ihn aus seiner Verpuppung zu holen. " Sie suchte ein Kirchenoberhaupt des beginnenden 21. Jahrhunderts darzustellen, das "als erster Oberhirte seine Verlautbarungen nicht im Plural, sondern in der Ich-Form formulierte". Bei ihr ist der Heilige Vater eine Ikone, die aber durch die Parkinsonsche Krankheit Irritation erfahren hat und verletzbar geworden ist. Ironie, gemünzt auf den "Reisepapst", den "Medienpapst", auch den sturen Gegner der Familienplanung durch das weibliche Recht auf Abtreibung kommt zufällig ins Bild, nicht als Mittel zum Zweck. Fleckende Acrylfarben wirken lebhaft, Stirnpartie, Nase, Wangen dieses zähen "Stellvertreters" gleichen erodierten Gesteinsschichten. Der hat es nicht eilig, das Paradies zu erreichen. (ir. )
Galerie M. Schultz, Mommsenstr. 34, bis 1. 11. Di-Fr 11-19/Sa 10-14 Uhr.
Kosmische Kontakte, 2003