Sie war als Schauspielerin verrufen, bevor sie je in einem Film gespielt hatte. Sie war eine Diva nach nur wenigen Filmen. Barbara La Marr galt als Kassengift, war zu teuer für zu billige Stummfilme. Als sie 1926, gerade mal 29 Jahre alt, einer Tuberkulose erliegt, die sie infolge ihres rauschhaften Lebensstils nie auskurierte, war die internationale Filmwelt erschüttert. La Marr, die eigentlich Reatha Watson hieß, und ihren Künstlernamen einer beim Filmen verstorbenen Vorgängerin verdankte, schrieb Filmskripte, machte eine Unzahl von Männern von sich abhängig, drehte bis zur Selbstaufgabe und war von Ehrgeiz zerfressen. Sie galt als "the Girl who was too beautiful".
Arnolt Bronnen war Freund von Brecht und gut bekannt mit Goebbels, war mal linker Revoluzzer und mal rechter, war Expressionist und manisch, lebte zuletzt in der DDR und blieb allen suspekt. Sein Roman "Film und Leben Barbara La Marr", der 1928 erschien und jetzt glücklicherweise wiederaufgelegt wurde, schildert detailliert das frühe Filmbusiness und zeigt in einer rauschhaften, präzisen Sprache, wie sich eine junge, moderne Frau in der Filmwelt zu Tode verschwendet. Bronnens Roman, geschrieben zu dem Zeitpunkt als sich der Wirrkopf Bronnen der konservativen Revolution anschließen wollte, ist nicht frei von Antisemitismen und Rassismen. Doch dieses Buch, das als Vorläufer der in den 70ern so beliebten Dokumentarromane gelten darf, ist dennoch ein großartiges Buch, da es im besten Sinne intelligenter als sein Autor ist.
Arnolt Bronnen: Film und Leben Barbara La Marr. Aviva Verlag, Berlin 2003, 350 Seiten, 16 Euro.