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MUSIK

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Frank Junghänel

"Der Lotussitz ist einfach eine komfortable Position." (sagt der Musiker Sting) Am Montag erscheint die neue CD von Sting. Am Montag erscheint die neue CD von Sting. Am Montag erscheint die neue CD von Sting. Das könnte jetzt noch eine ganze Weile so weitergehen, was soll man auch anderes sagen zu einer neuen CD von Sting, abgesehen davon, dass sie erscheint.

Sting ist ein schwieriger Fall für die Popmusik. Er nimmt seit zwei Jahrzehnten brillante Platten auf, eine nach der anderen. Sie sind erwartungsgemäß derartig brillant, dass man seit einem Jahrzehnt nicht mehr auf sie wartet. Das ist die Tragik vieler früher Genies. Es tut weh, dies hier sagen zu müssen, aber die Ankündigung eines neuen Woody-Allen-Films lässt einen auch nicht gerade an den Nägeln knabbern. Genauso, wie man irgendwann aus keinem bestimmten Grund aufgehört hat, Cormac McCarthys Romane zu lesen, die wahrscheinlich immer noch exzellent geschrieben sind, war einem eines Tages auch Sting zu viel.

So kommt es, dass man beim kursorischen Anhören eines neuen Sting-Albums ähnlich banausenhaft reagiert wie Kaiser Josef, der nach der Uraufführung des "Don Giovanni" zu Mozart gesagt haben soll: "Gewaltig viele Noten".

Sting ist jetzt einundfünzig Jahre alt. Schon oder erst? Das spielt bei ihm keine Rolle. Seine Musik klang vom ersten Tag an klassisch, bereits zu Zeiten von The Police so proportioniert, formvollendet und dazugehörig. "I know, I m arrogant", hat er damals über sich gesagt. Sting konnte sich diese sympathische Arroganz leisten. Er wollte der Größte sein und er war es. Als er sich später von der Rockmusik emanzipierte und seinen Worldjazzpop kreierte, nahm seine konstante Kunstfertigkeit allmählich ärgerliche Züge an. Sting wurde über die Jahre zum Lance Armstrong des Pop. Er drehte sich am Berg einmal um und spurtete davon. Man hätte ihn gern einmal aus dem Lotussitz kippen sehen. Aber ihm passierte nichts.

Alle anderen nahmen in den 80ern auch mal eine fürchterliche Platte auf. Es war die Zeit der Synthiedrums, der Umhängekeyboards. Doch Sting sollte diese Ära des schlechten Geschmacks sogar ohne Frisurproblem überstehen. Sein Livealbum "Bring On The Night" von 1985 ist bis heute eine Offenbarung. Er konnte sich die besten Wasserträger der Welt kaufen, aber selbst die müssen erstmal so beseelt spielen wie bei ihm.

Als Sting dem ewigen Virtuosentum nicht abschwören wollte, griff die Rockinquisition zum letzten Mittel, sie nannte seinen Namen im Zusammenhang mit dem seines Kollegen Phil Collins. Wenn schon virtuos, dann leider virtuos langweilig. Doch auch die größte musikjournalistische Folter blieb bei ihm folgenlos. Am Montag erscheint die neue CD von Sting.