Die Berliner Mauer stand erst ein paar Jahre, da begann für die Züge des Typs A 3 der Einsatz auf den U-Bahn-Gleisen im Westen der Stadt. Inzwischen sind die Fahrzeuge im Durchschnitt nicht weniger als 37 Jahre alt, aber deshalb dürfen die Oldtimer noch lange nicht auf den Schrottplatz rollen. Im Gegenteil: Derzeit modernisieren die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) 64 Wagen dieser Baureihe - damit sie weitere 16 bis 20 Jahre eingesetzt werden können. Dabei dürfe es aber bleiben, sagt U-Bahn-Chef Wolfgang Predl. Er ist zuversichtlich, dass nach langer Pause wieder neue Wagen für die Linien U 1 bis U 4 gekauft werden können - 21 Züge mit insgesamt 84 Wagen. "Wir wollen unseren Kunden attraktive und moderne Fahrzeuge anbieten", sagt Predl.
Bisher waren bei der S-Bahn die ältesten Fahrzeuge der Stadt im Einsatz. Doch demnächst will das Unternehmen die letzten Züge aus den dreißiger und vierziger Jahren ausmustern. Dann kommt der U-Bahn das zweifelhafte Prädikat zu - und dort den Linien U 1 bis U 4. Auf den Kleinprofilstrecken, deren Tunnelröhren relativ schmal sind, sind die betagtesten Berliner U-Bahnen unterwegs. Zwar ist das für die Techniker kein Problem. Denn Gutachten haben gezeigt, dass die aus Stahl gebauten Wagen der Baureihe A 3 64/66 noch eine gute Substanz haben - obwohl sie 1964 und 1966 entstanden sind. Doch ein weiterer Einsatz ließe sich nur rechtfertigen, wenn sie modernisiert werden.
Vor fünf Jahren fiel bei der BVG die Entscheidung, die Mittenwalder Gerätebau GmbH übernahm den Auftrag. Nach Anlaufschwierigkeiten sind nun die ersten vier erneuerten Doppeltriebwagen unterwegs. Die acht Wagen rollen vor allem auf der Linie U 2. "Bis 2005 folgen die anderen Fahrzeuge", so der Bahn-Chef. Die meisten Veränderungen sind hinter Wänden und Klappen versteckt, aber auch die Fahrgäste profitieren. So erhalten die Züge eine verbesserte Innenausstattung. Erneuert wurden unter anderem der Fußboden, die Lautsprecheranlage und die Heizungssteuerung. Die Haltestangen sind gelb - so wünscht es der Blindenverband.
Schon vor fast neun Jahren hatte das Unternehmen 25 Vier-Wagen-Neubauzüge der Baureihe HK geordert. Doch weil Geld fehlte, wurden nur vier Stück geliefert. Nun hofft Predl, dass der Aufsichtsrat noch in diesem Jahr die Anschaffung der restlichen Züge genehmigt - nachdem er bereits dem Kauf von 100 Doppeldeckerbussen zugestimmt hat. Weil die ersten vier "Neuen" seit 2000 zuverlässig rollen, seien sie bei den Technikern beliebt. Die Züge sind durchgängig begehbar - das erhöht das Sicherheitsgefühl und erlaubt eine bessere Verteilung der Reisenden in den Wagen. Moderne Lüftungsanlagen sorgen für ein angenehmes Raumklima, Luftfederungen für Fahrkomfort. Predl: "Die Fahrgäste geben sehr gute Noten."
"Wir wollen unseren Kunden attraktive Fahrzeuge anbieten. " W. Predl (BVG)